Die deutsche Dokumentarfilmerin Miriam Faßbender hat zu ihrem auf der Viennale 2012 präsentierten Film "Fremd" über die lebensgefährlichen Fluchtversuche von zwei Afrikanern nach Europa aus Not, Krieg, Korruption und Aussichtslosigkeit ein beklemmendes Buch nachgeliefert. Sie schildert den Alltag der Flucht der beiden Migranten, die sie immer wieder auf Abschnitten ihres steinigen Weges begleitet hat: Hunger, Verfolgung, Suche nach Nahrung und schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs, Abschiebungen und neue Anläufe, um Europa zu erreichen.

Der Malier Mohamed, ein junger Reisbauer, zog auf Druck seiner Familie los, der Musiker Jerry kam aus Kamerun. Faßbender berichtet vom Rassismus der Algerier, vor denen sich die Flüchtenden auf Müllkippen und in Wäldern verstecken mussten, aber auch von Polizisten, die nach ihrer Aussage vom EU-Grenzschutz Frontex "für jeden eingefangenen Subsaharier eine Flasche spanischen Whiskeys spendiert" bekommen. Die beiden Flüchtlinge lassen nichts unversucht: Mohammed will die spanische Exklave Melilla im doppelten Boden eines Taxis erreichen, Jerry den dortigen Zaun umschwimmen.

Mohammed wird im doppelten Taxiboden entdeckt und nach Algerien zurückgeschoben. Nach zwei Jahren ist er wieder in Mali, wagt sich aber aus Scham nicht in seinen Heimatort, sondern lebt als Busfahrer in Gao. Jerry scheitert ebenfalls, kehrt nach Kamerun zurück und lebt heute in Europa, wohin er es legal über ein Musiklabel geschafft hat.

Sachbuch

2850 Kilometer. Mohamed, Jerry und ich unterwegs in Afrika. Tagebuch einer Flucht.

Miriam Faßbender

Westend, 320 Seiten, 17,50 Euro