Dem US-Autor John Williams gelingt es so beiläufig wie überzeugend, den Eindruck des wirklich Gelebten zu vermitteln. Dennoch war sein großer Roman "Stoner" lange vergessen. Erst 2006 wurde das Werk in den USA widerentdeckt und zum Publikumserfolg. Nun liegt es erstmals auf Deutsch vor, hervorragend übersetzt von Bernhard Robben.

Der mit großer Empathie geschriebene Roman berichtet vom Leben des William Stoner. Der einfache Bauernsohn, der nach dem Studium der Agrarwissenschaften den Hof seiner Eltern übernehmen soll, entdeckt in der Literatur seine wahre Leidenschaft und Berufung. Obschon er es nur bis zum Assistenzprofessor bringt, wird ihm die Universität zum Zufluchtsort und die Literatur zur Heimat. Beides lässt ihn die miserable Ehe stoisch und schicksalsergeben ertragen.

Williams macht den unaufgeregten, integren und etwas kauzigen Stoner zu einer unverwechselbaren Gestalt der amerikanischen Literatur. In ihm kommt das vielzitierte "krumme Holz" zu seinem Recht, aus dem nach Kant der Mensch gemacht sei. Und Williams stellt die Frage, was nach dem Tod eines Menschen, der nicht durch Getöse und große Attitüde auffällt, in Erinnerung bleibt.

John Williams: Stoner. Roman. Übersetzt von Bernhard Robben. dtv, München 2013, 352 Seiten, 20,50 Euro.