(wt) Der Nahe Osten war und ist aufgrund seiner politisch-religiös-kulturellen Gemengelage ein Pulverfass, wo weite Teile von den Wirren des Krieges, Chaos und Elend überzogen sind. Die 1965 in Wien geborene Nahostexpertin Karin Kneissl legt in einem sehr persönlich gehaltenen Buch den Finger auf die vielen "Wunden" in der Region. Der Nahe Osten ist das "Thema ihres Lebens" - "Ex oriente lux", wie sie schreibt. Der bislang ungelöste Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinenser hat es ihr besonders angetan und war die frühe Triebfeder für eine umfassende und vielschichtige akademische Ausbildung, aber auch die Hingezogenheit zu den vor Ort lebenden Menschen, wo sie - ob in Amman, Beirut oder Jerusalem - unschätzbare Erfahrungen im Sinne einer tiefgehenden Herzensbildung erlangte.

Die Autorin schildert gekonnt die komplexen Zusammenhänge und Hintergründe in der Region. Als ehemalige österreichische Diplomatin, freie Journalistin und Energieanalystin ermöglicht sie dem Leser ungeschminkte Einblicke. Zu viele Kriege trug der Westen im Laufe der Geschichte in den Osten. "Zu wenig Würde und Freiraum" ermöglichte der Osten den Bürgern, so Kneissls Fazit. So vieles ist nun im Nahen Osten in Bewegung geraten, was zum weiteren Zerbrechen oder aber zu einem Zusammenfügen führen könne. "Anstatt von außen muss die Gestaltung endlich von innen kommen", hält die Autorin zu Recht fest. Den USA wachse der "asiatisch-pazifische Orient" zu. Für Europa scheint die Schicksalsgemeinschaft zwischen Orient und Okzident hingegen zur "gemeinsamen Überlebensfrage" zu werden.

Sachbuch

Mein Naher Osten

Karin Kneissl

Braumüller Verlag, 233 Seiten, 21,90 Euro