Über die Mona Lisa ist viel geschrieben worden: über ihr Lächeln ebenso wie darüber, wer das Vorbild für die Dame auf Leonardo da Vincis weltberühmtem Bild sein könnte. Auch Markus Bundis neue Erzählung spielt mit dem Changieren der Identität und mit der Frage, ob es so etwas wie ein fest gefügtes Ich überhaupt gibt. Mona ist Rezeptionistin, "ihr Beruf ist Aufmerksamkeit", doch wenn sie träumt (und sie träumt viel), ist sie Lisa, und die beiden Ichs sind nicht immer ganz leicht miteinander in Einklang zu bringen. Dann berührt Mona den "Stein der Weisen", den sie in ihrer Tasche stets mit sich trägt, und philosophiert über Puzzleteile und das Ganze, über Monaden und Lisaträume.

Bundis Erzählung ist ein spannendes Vexierspiel, das vor lauter Philosophie manchmal aus dem Auge verliert, was am Tollsten an diesem Text ist: die hinreißende Mona, die ganz genau weiß, dass das Leben zu kurz ist, um es in stickigen Hörsälen zu verbringen.

Markus Bundi: Die Rezeptionistin. Erzählung. Klöpfer & Meyer, Tübingen 2014, 81 Seiten, 15,50 Euro.