Muss man eigens betonen, dass Wolfgang Hilbig zu den wenigen herausragenden Schriftstellern deutscher Sprache zählt? Sein außerordentliches Werk hat er sich mühselig und kräftezehrend erkämpft. Und zwar nicht nur angesichts der Widerstände des DDR-Staatsapparates, sondern vor allem entgegen den Beschränkungen seiner proletarischen Herkunft.

Über seine Jugendzeit und Anfänge als Autor im sächsischen Provinzkaff Meuselwitz ranken sich viele Legenden. Höchst willkommen ist daher der üppig bebilderte Erinnerungsband seiner ersten Frau Margret Franzlik. Ohne Chronologie wirft sie Schlaglichter auf sein Leben als Heizer und Kesselwärter in der tristen Bergbaustadt. Ihr Buch ist eine Sammlung von biografischen Splittern und ein intimes Fotoalbum aus den Anfangsjahren von Wolfgang Hilbig, dessen Welt aus Schwerindustrie, Staatssicherheit und Schriftstellerei schon ferner Vergangenheit angehört. Seine sprachmächtige Texte aber sind so aktuell wie wenig sonst in der Gegenwartsliteratur.