Frans Eemil Sillanpää. - © Foto: Blofeld/ Wikipedia
Frans Eemil Sillanpää. - © Foto: Blofeld/ Wikipedia

Es wäre eine gute 500.000-Euro-Frage für die Millionenshow: Wie hieß der Schriftsteller, der als bisher einziger Finne den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam? Schon zum Zeitpunkt der Zuerkennung im November 1939 nahm aufgrund der politischen Umstände kaum jemand Notiz von der Entscheidung des Nobelpreiskomitees. Und das Komitee wiederum ließ sich in seinem Votum vom damaligen Begehren der Sowjetunion nach finnischem Territorium beeinflussen, als es Frans Eemil Sillanpää, Jahrgang 1888, die Auszeichnung "für das tiefe Verständnis des finnischen Landvolkes und für die exquisite Kunstfertigkeit, mit der er die Menschen und ihr Verhältnis zur Natur porträtiert" zusprach.

Sillanpää hatte zu diesem Zeitpunkt ein gutes Dutzend Romane, Novellenbände und Erzählsammlungen veröffentlicht. Einige davon waren auch auf Deutsch erschienen, darunter sein 1932 erschienener Bestseller "Silja, die Magd" sowie sein früher Romanerfolg "Frommes Elend" aus dem Jahr 1919. Dieser liegt nun in einer gelungenen Neuübersetzung im Berliner Guggolz Verlag vor.

"Frommes Elend" weist bereits alle Ingredienzien auf, die Sillanpääs Literatur der späteren Jahre auszeichnen sollten: die Schilderung des Lebens einfacher Menschen und ihrer Verstrickungen in die verwickelte Geschichte des skandinavischen Landes, das erst 1917 zur Nation wurde. Sillanpää bedient sich dabei einer literarischen Sprache, die sich zwischen Empathie und Distanz bewegt, am Mündlichen orientiert und in ihrer manchmal drastischen Pointiertheit schon wieder modern wirkt.

Wer im 19. Jahrhundert als Keuschler oder zu Deutsch: Kätner auf die Welt kam, hatte sicher nichts zu lachen. "Wenn ein Kind jung stirbt, ist das normalerweise ein viel erfreulicheres Erlebnis als seine Geburt", ist einer dieser ungeheuerlichen Sätze Sillanpääs, die das Elend auf den Punkt bringen: Wieder ein Esser weniger.

Hartes Schicksal


Die Kätner hausten oft in abgelegenen Hütten, bewirtschafteten kleine Grundstücke, die kaum genug Ertrag abwarfen und sich überdies im Besitz von Bauern befanden, für die sie Frondienste ableisten mussten.

Frans Eemil Sillanpää erzählt in "Frommes Elend" vom Kätner Jussi alias Juha alias Janne, der so ordentlich gebeutelt wird, dass ihm nicht einmal sein Name sicher ist. Jussi kommt Mitte des 19. Jahrhunderts als Sohn eines Bauern, der seinen Hof versäuft, in einem südfinnischen Dorf auf die Welt. In den Hungerjahren 1866-68 sterben seine Eltern, und das Kind wird am Hof des Onkels, der ihn nicht mag, großgezogen und beim ersten Anlass rausgeworfen. Es folgen Jahre als Wanderarbeiter und als Knecht, bevor Janne eine schwangere Magd zur Ehefrau nimmt, wodurch er in der Folge zum Kätner Juha aufsteigt.