(kron) Sonderbare Gestalten bevölkern dieses Buch: der Mann mit dem kleinen Dingsbums, die Frau, die es nicht lassen kann, Elena F., die die größten Brüste und die engste Taille der Welt haben will, Rudolf H., ein eingebildeter Kranker, und viele andere. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich in den Netzen des Schönheits-, Leistungs- und Gesundheitswahns verstrickt haben. Es sind allesamt Perfektionisten, zwanghafte Charaktere, bei denen nicht sein kann, was nicht sein darf; es sind Archetypen des Perfektionismus, der sich im 21.Jahrhundert zu einer Zivilisationskrankheit auswächst.

77 teilweise tragische, teilweise komische Patientenschicksale hat der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli für sein neues Buch "Perfektionismus" zusammengetragen - aus seiner eigenen Praxis, für die Praxis seiner Leser. Er beschreibt Ängste und Lebenslügen von Menschen, die ihre eigene Fehlerhaftigkeit nicht ertragen. Und er liefert Begründungen für ihr Verhalten: "Ein Perfektionist strebt Perfektion nicht an, weil er sich an der Vollkommenheit erfreut, sondern weil es ihm um die damit verbundene Unangreifbarkeit geht." Perfektionismus sei also ein Vermeidungsverhalten: "Wer perfekt arbeitet, kann weder getadelt noch kann ihm gekündigt werden."

Bonelli weist aber auch einen Ausweg - er gibt eine Anleitung zum Unvollkommensein: Imperfektionstoleranz lautet das Zauberwort. Oder einfach: Glücklich wird, wer die Maske des Perfektionismus abnimmt. Oder noch einfacher: "Das Ja zu den eigenen Schwächen ist der Königsweg zum Glück!"