(pb) Obwohl das Wort Clique im allgemeinen Sprachgebrauch vorwiegend negativ besetzt ist und den Geruch von Machtmissbrauch und Geheimnistuerei hat, versucht die Wirtschaftswissenschafterin Gisela Schmalz in ihrem Buch eine objektive Analyse des Phänomens. Sie erklärt, dass nicht gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu Einfluss und Ansehen führen. Mehr Erfolg versprechen auf Freundschaft basierende Cliquen, die Altes über Bord werfen und als verschworene Gemeinschaften machtvoll handeln können.

Sie gesteht ein, dass die meisten "Cliquenwirtschaften" oft negative Effekte haben, da sie in der Regel zum rücksichtslosen Einsatz ihrer Macht neigen. Doch es gebe auch Cliquen, die ihre Macht "im Guten" einsetzten. Die Autorin legt veränderungswilligen Menschen sogar nahe, die Systematik von Cliquen positiv zu verstehen und für eigene Zwecke zu nutzen.

Schmalz analysiert die "Cliquenwirtschaften" der Mafia, der katholischen Kirche und von Goldman Sachs, belegt aber auch, dass Hewlett Packard, Apple und Google das Werk von Freundeskreisen sind. Ebenso seien die Bilderberg-Konferenz und die G30 durch private Verflechtungen mächtig und einflussreich geworden.

Alle diese Cliquen neigten zu höchstmöglicher Geheimhaltung, die zumindest in der Vergangenheit ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der großen globalen Firmen und Organisationen gewesen sei. Aber auch wenn etwa Google nun auf Transparenz zu setzen vorgibt, Schmalz traut dem nicht und meint: "Transparenz wäre bei einer weiter fortgeschrittenen Digitalisierung möglicherweise der neue Deckmantel für Macht."

Sachbuch

Cliquenwirtschaft. Die Macht der Netzwerke

Gisela Schmalz

Kösel, 366 Seiten, 20,60 Euro