Greta Simpson hat durch einen Unfall ihr Gedächtnis verloren. Als sie nun, Jahrzehnte später, zu Weihnachten 1985 wieder auf den Landsitz ihrer Familie kommt, tauchen durch ein Schockereignis nach und nach die Erinnerungen wieder auf. Und die führen in Rückblenden zurück in die Gesellschaft der Nachkriegszeit und in die britische und amerikanische Filmbranche der Fünfziger und Sechziger Jahre. Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist eine Teenager-Schwangerschaft im Jahr 1946, die Auswirkungen auf spätere Generationen haben wird.

Lucinda Riley entspinnt daraus die Geschichte einer total verkorksten Familie, deren Zutaten Stolz, Liebe, Sehnsucht, Selbstverwirklichung, Vernunftehen und verpasste Gelegenheiten sind, aber auch schwierige Tochter-Mutter-Beziehungen in verschiedenen Generationen und psychische Störungen. Zählt man alles, was sich auf den 614 Seiten getan hat, am Ende zusammen, so ist das Ergebnis eigentlich im Grunde eine gar nicht so spektakuläre - um nicht zu sagen kleine - Familiengeschichte. Aber die großen Worte, die Lucinda Riley findet, um sie zu erzählen, machen sie zu weit mehr. Ganz großes Kino.

Lucinda Riley: Der Engelsbaum
Goldmann; 614 Seiten; 10,30 Euro