Es beginnt Anfang September in einem kleinen Städtchen in Michigan. Von den etwa 2000 Einwohnern des fiktiven Ortes Coldwater, in dem Mitch Albom als Hommage an die reale gleichnamige Stadt seine Geschichte handeln lässt, melden sich insgesamt acht Verstorbene via Telefon bei den Lebenden und erzählen ihnen, wie schön es im Himmel ist. Das Wunder ist perfekt und wird medial ausgeschlachtet.

Doch es wäre nicht Mitch Albom, wenn er nicht auch ein wenig moralisieren würde durch seine Erzählung, freilich nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch die Blume zwischen den Zeilen. Denn auch wenn recht bald klar ist, dass das göttliche Wunder wohl eher irdischen Ursprungs sein dürfte, so legt er auf den folgenden 330 Seiten auch ein starkes Glaubenszeugnis ab. Schließlich kommt der Glaube ja nicht von ungefähr, und man muss nicht wissen, um zu glauben. Und so widerfährt Coldwater durch das Wunder nicht nur ein gewaltiger Medienrummel, sondern auch viel zwischenmenschlich Gutes.

Darüber hinaus erweist sich Mitch Albom einmal mehr als grandioser Erzähler von Kleinigkeiten. Wie er verschiedene Charakterte ausarbeitet und miteinander interagieren lässt, ist ebenso ein Ganuss wie die vielen kleinen Wendungen, die er in seine Handlung einbaut. Und der letzte Rest an Ungewissheit, der am Ende über allem schwebt. Denn wer Mitch Alboms bisherige Bücher kennt, darf fest damit rechnen, dass letztlich nicht alles so ist, wie es scheint. Auch nicht der telefonische Betrug im Auftrag des Herrn.

Ach ja, eines noch zu guter Letzt: Der Autor hat auch intensiv zur Geschichte des Telefons recherchiert. Allein schon die Anekdoten zu dessen Entstehungsgeschichte, die er in seine heutige Handlung einspinnt, machen "Das Wunder von Coldwater" noch einmal lesenswerter.

Mitch Albom: Das Wunder von Coldwater
Goldmann; 18,50 Euro