Gerschom Wald, früher ein Lehrer für Tanach und Geschichte, jetzt ein krummer, schwer gehbehinderter Greis mit weißem Haupt- und Barthaar und traurigen blauen Augen, nimmt an der politischen Aktualität im In- und Ausland immer noch Anteil und kommentiert sie mit meist bitteren Altersweisheitssprüchen.

Schmuel erzählt ihm in vielen Abendgesprächen von seiner Beschäftigung mit dem Thema "Die Juden und Jesus" und von seiner Überzeugung, dass Judas, der Mann aus Kariot, der wahre Gründer der christlichen Religion, "der Erfinder, der Impresario, der Regisseur und der Produzent des Schauspiels von der Kreuzigung" gewesen ist. Gerschom, ein ironischer Pessimist, der "an keine Form der Weltverbesserung" und "nicht an die Rettung der Welt" glaubt, öffnet dem jungen Gesprächspartner allmählich sein wehmütiges Herz und legt den Grund seiner unvergänglichen Trauer frei: Sein Sohn Micha starb 1948 im Kampf gegen die Araber.

Atalja, die seit dem Tod ihres Ehemanns Micha zusammen mit Gerschom im Haus ihres verstorbenen Vaters lebt, Atalja, "eine große Gestalt von etwa 45 Jahren", erscheint Schmuel, dem Einsamen, in dem dunklen Haus vom ersten Augenblick an als die Sonne seiner erotischen Sehnsucht.

Unerreichbare Frau


Die Witwe Atalja, Tochter des einst berühmten jüdischen Anführers Abrabanel (der im Gegensatz zu Ben Gurion die Gründung des Staates Israel ablehnte, weil er an das Ideal des grenzenlosen Zusammenlebens der Menschen auf Erden glaubte), Atalja hält zwar im Grunde alle Männer für lächerlich und alle Gefühle für überflüssig, dennoch duldet sie Schmuels verschämte Annäherungsversuche; ja, der sie ängstlich-beharrlich anhimmelnde Student rührt sie so sehr, dass sie mit ihm nicht nur ausgeht, sondern auch ins Bett. Der Beglückt-Verstörte aber weiß auch dann noch, wie er’s ja vom ersten Augenblick an wusste, weiß, was diese seltsame, einzigartige Frau immer für ihn sein wird, für ihn sein muss: "schön und unerreichbar".

Als der Frühling kommt, verlässt Schmuel Asch das dunkle Haus, verlässt Atalja und Gerschom, und fährt in den Süden des Landes, um dort vielleicht ein anderes Leben zu beginnen.