(WT) Die Ausrufung des "Kalifats" in den von der sunnitischen Terrormiliz IS im Sommer 2014 eroberten Gebieten in Syrien und im Nordirak war ein Epochendatum für den islamistischen Terrorismus. Inwieweit es dem IS gelingt, an die Stelle von Al-Kaida zu treten und zu einer ernsthaften Bedrohung für den Westen zu werden, wird sich insbesondere im Irak und Syrien entscheiden.

Der Terrorismusexperte Guido Steinberg legt mit seinem neuen Buch die Fakten und Hintergründe zum Wesen und zum Erstarken des IS offen. Welche Gegenstrategien müsse nun der Westen, der durch rückkehrende Dschihadisten aus den Krisengebieten direkt und unmittelbar betroffen ist, entwickeln, um eine weitere Eskalation der Lage zu verhindern und um langfristig die Terrormiliz einzudämmen? In erster Linie müsste die westliche Staatenwelt verlässliche Verbündete im Irak finden, um nicht das Aktionsfeld dort allein dem schiitischen Iran zu überlassen.

Gleichzeitig geht es darum, die Nachbarländer Syriens und des Irak möglichst wirksam zu schützen und zu stabilisieren. Da es in Syrien keine wirklichen Verbündeten gibt, die stark genug sind, sollte der Westen so ehrlich sein zu sagen, dass man derzeit keine Strategie für Syrien habe, meint Steinberg. Um den IS effektiv bekämpfen zu können, ist die aktive Hilfe der Türkei zwingend erforderlich. Eine mögliche Übereinkunft Ankaras mit der kurdischen PKK würde dabei vieles erleichtern. In jedem Fall müssen speziell auch in Europa Polizei und Nachrichtendienste gestärkt werden, um der besonderen Bedrohung durch islamistischen Terror Herr zu werden.

Sachbuch

Kalifat des Schreckens

Guido Steinberg

Knaur, 208 Seiten, 13,40 Euro