Meldungen vom bevorstehenden Ableben des Kapitalismus haben sich bislang als vorzeitig herausgestellt. Das hindert seine Kritiker nicht, beharrlich das moralische und faktische Ende der Marktwirtschaft zu proklamieren. David Graebner etwa tut dies mit Verve. Der US-Ethnologe, Anarchist, Autor ("Schulden: Die ersten 5000 Jahre") und Mitbegründer der "Occupy Wall Street"-Bewegung, hat sich mit dem unorthodoxen tschechischen Ökonomen Tomas Sedlacek ("Die Ökonomie von Gut und Böse") an einen Tisch gesetzt, um über den Zustand unseres Kapitalismus zu diskutieren. Die Rollen sind dabei klar: Graebner hält unser Wirtschaftssystem für grundlegend dysfunktional, das primär dazu führt, das Schlechte in uns Menschen zum Vorschein zu bringen, während Sedlacek zwar auch die Defizite benennt, aber den Kapitalismus für grundsätzlich gut und durchaus reformierbar erachtet.

Das Gespräch der beiden mäandert allerdings etwas führungslos durch die Ursachen und Konsequenzen der Krise seit 2008. Immerhin sind sich Graebner und Sedlacek einig, mit welchem Bild sich die Natur der Wirtschaftswelt am besten beschreiben lasse: mit jenem des Zombie. Wie dieser habe auch das kapitalistische System "keine Seele, es funktioniert sehr gut, aber nicht in der Weise, wie wir es uns wünschen, und es besitzt keine Sanftmut, keine Milde, keine weichen Kanten".

Stimmt. Nur wie wir zu einer Welt kommen, die uns all dies und dann auch noch Wohlstand bringt, darüber sagen die beiden zu wenig.

Sachbuch

Revolution oder Evolution.

Das Ende des Kapitalismus?

Tomas Sedlacek, David Graeber

Hanser, 144 Seiten, 16,40 Euro