Fast könnte man meinen, dass Paul Theroux diesen kleinen Roman als literarische Antwort auf "Fifty Shades Of Grey" konzipiert hat, hätte er ihn nicht bereits 2004 geschrieben, also einige Jahre vor E. L. James’ Supermegaseller. Jedenfalls zeigt er in "Der Fremde im Palazzo d’Oro", der nun erstmals auf Deutsch vorliegt, wie stilvoll und raffiniert man das Thema sexuelle Obsession und Abhängigkeit auch angehen kann.

In der meisterlichen Manier eines Henry James lässt der US-Autor, der hauptsächlich mit seinen Reisebüchern bekannt geworden ist, einen 60-jährigen Mann auf eine Episode im sizilianischen Taormina vor rund 40 Jahren zurückblicken, als der in die Fänge eines seltsamen Paars gerät, bestehend aus einem arabischen Arzt und einer deutschen Gräfin. Mit ihr verfängt sich der damals junge Amerikaner in einer sinnlich-erotischen Affäre, die ihn in mehr als nur einer Hinsicht fordert - und die mit einer Überraschung endet, die buchstäblich alles auf den Kopf stellt.

Paul Theroux

Der Fremde im Palazzo d’Oro

Roman. Übersetzt von Gregor Hens. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, 174 Seiten, 18,50 Euro.