Lisas Vater hat Krebs. Das wird zwar in Eva Melouns Buch "Rosamunde" nicht offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen ist es mehr als deutlich. Und am Ende stirbt der Papa. Lisa findet dabei Trost bei der Puppe namens Rosamunde, die er noch mit ihr gemeinsam gebastelt hat. Und ihr Schulfreund Maxi ist ihr eine Stütze - dabei hat sie den immer für blöd gehalten, bis er ihr bewiesen hat, dass er durchaus auch seine sensible Seite hat.

Soweit, so banal. Was Eva Nelouns Geschichte auszeichnet, ist die Art und Weise, wie sie geschrieben ist. Die Autorin schildert das traumatische Ereignis nämlich total aus der Sicht des Kindes. Lisa erlebt das Leiden und Sterben ihres Vaters - und damit auch das Leiden ihrer Mutter und Großeltern - hautnah mit, kann es aber zunächst nicht wirklich fassen, weil die Großen sie vor der Wahrheit schützen wollen. Da zeigt sich, wie wichtig es ist, Kindern Dinge zu erklären und sie nicht "dumm sterben zu lassen", wie man so schön sagt. Vor allem ist Melouns Buch sehr still. Richtig ehrfürchtig still. Eine gelungene Geschichte über das Abschiednehmen.

Eva Meloun: Rosamunde
Bibliothek der Provinz; 13 Euro