Es gab eine Zeit, da hatte Pop- und Rockmusik auch eine politische Dimension - als Ausdruck der Widerständigkeit gegen die herrschenden Verhältnisse. Das war in den 1960ern und 70ern in der westlichen Welt nicht anders als - um rund ein Jahrzehnt verzögert - in den Staaten des Ostblocks. Karat, Pankow und Silly waren teils kantige DDR-Acts, die im Zuge der "Neuen Deutschen Welle" in den 1980er Jahren auch im Westen gehört wurden.

Wie sich die revolutionäre Kraft der Rockmusik über die Jahrzehnte vom Mainstream aufsaugen ließ und in unartikuliertes Kinderblabla verwandelte, das beschreibt die US-amerikanische Autorin Jennifer Egan in ihrem 2011 mit dem Pulitzer-Preis bedachten Roman "A Visit From the Goon Squad" (zu Deutsch: "Die größere Hälfte des Himmels").

Der Autor Alexander Osang, im Hauptberuf preisgekrönter "Spiegel"-Reporter mit ostdeutschen Wurzeln, hat das Bauprinzip von Egans Roman übernommen und auf die ostdeutsche Szene übertragen: In seinem neuen Roman, "Comeback", schildert er das Werden und Vergehen der fiktiven ostdeutschen Band "Die Steine", die in ihrer besten Zeit zigtausende Besucher zu ihren Konzerten lockten und als Stimme des Widerstands gegen das kommunistische Establishment verstanden wurden.

"Stern" und "Steine"


Gleich wie Egan beleuchtet auch Osang in jedem Kapitel aus dem Blickwinkel einer anderen Figur das Geschehen rund um die erfolgreichste Band der DDR: Von den einzelnen Bandmitgliedern über ihren Manager und die Stasi-Spitzel, die die Band in den 1980er Jahren überwachten, bis hin zur Reporterin des "Stern", die die "Steine" auf ihrer Comeback-Tour anno 2012 durch die ostdeutschen Land begleitet und dabei merkt, dass die Zeit auch an ihr nicht spurlos vorübergegangen ist. "Ein Gefühl der Vergeblichkeit befiel sie wie ein Nervengift", heißt es über die Reporterin Carola: "Sie wusste nicht mehr, was sie noch erzählen sollte aus der Welt. In letzter Zeit passierte ihr das oft. Sie war zu alt, um zu staunen, dachte sie, zu alt für ihren Beruf. Es war alles gesagt."

Über die Wende in Deutschland ist - auch wenn es manchmal so scheint - zum Glück noch nicht alles gesagt. Alexander Osang wirft in "Comeback" ein Schlaglicht darauf, was mit der Jugendkultur der DDR vor und nach 1989 passiert ist, und er zeigt auf, dass die Bruchlinie dabei quer durch die Gesellschaft verläuft.