"Mit Selbststeuerung lässt sich im Leben vieles, ohne sie nichts erreichen." Der Freiburger Neurobiologe Joachim Bauer plädiert dafür, das individuelle Selbst zu entdecken. Dabei schränke heutzutage "eine rein konsumatorische Freiheit" die Selbstbestimmung ein. Davon hätten immer mehr Menschen genug und stattdessen Lust "auf eine Freiheit, die aus gelingender Selbststeuerung erwächst".

Aber können wir uns überhaupt selbst steuern? "Nicht das Ich, sondern das Gehirn entscheidet", behaupten ja Hirnforscher wie Gerhard Roth, der freie Wille sei ein Trugbild. Roth und sein Kollege Wolf Singer, für den alle Entscheidungen auf "gleichermaßen deterministischen neuronalen Prozessen beruhen", berufen sich dabei auf ein Experiment des US-amerikanischen Hirnforschers Benjamin Libet. Bauer erinnert dagegen an Helmut Kornhuber und Lüder Deecke, die Entdecker des "Bereitschaftspotenzials", auf deren Forschungen Libet aufbaute. Er erklärt, dass Menschen durchaus in der Lage seien, auf die "slow cortical potentials" willentlich Einfluss zu nehmen. Das habe zum Beispiel der Tübinger Hirnforscher Nils Birbaumer zeigen können.

Behauptungen, die Existenz des freien Willens sei experimentell widerlegt, sind für Bauer "unhaltbar und irrig", aber auch problematisch: "Personen, denen man suggeriert hat, die Existenz des freien Willens sei wissenschaftlich widerlegt, verhalten sich signifikant unsozialer." Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zu einem Thema, das beim Philosophicum Lech 2014 heiß diskutiert wurde.