Da hat man geglaubt, am Ende von "Totenfrau" sei alles erzählt und abgeschlossen - und dann veröffentlicht der Tiroler Autor Bernhard Aichner mit "Totenhaus" nicht nur einen Anschluss-Thriller, sondern erklärt auch noch, dass es insgesamt eine Trilogie wird. Weshalb "Totenhaus" mit einem halben Cliffhanger endet. Keine Angst: mehr wird nicht verraten.

Wir springen zuerst einmal zurück an den Anfang. Da nämlich liegt die Bestatterin Brünhilde Blum sterbend in einem verlassenen Hotel. Stephen Kings "Shining" lässt grüßen. Aber Aichner greift da nur vor: Der eigentliche Beginn des Buches ist eine Körperplastinat-Ausstellung, in der die einst adoptierte Blum ihre Zwillingsschwester zu erkennen glaubt. Und während sie auf Spurensuche geht, bricht daheim in Innsbruck das Chaos los. Denn in einem Grab wird bei einer Exhumierung ausgerechnet jener Schauspieler gefunden, den sie zwei Jahre zuvor aus Rache für die Ermordung ihres Ehemannes umgebracht hatte.

Was folgt, ist ein Psychothriller, in dem Blum alleine mit dem Rücken zur Wand steht und sich gut überlegen muss, wem sie noch trauen kann. Und ja, dabei irrt sie sich auch schon einmal. Vor allem ist sie zerrissen zwischen der Notwendigkeit, zu fliehen, und dem Drang, ihre beiden kleinen Töchter und ihren Schwiegervater nicht alleine zu lassen.

Aichner lässt nicht nur seine Protagonistin von den Geistern der Vergangenheit einholen, sondern beschäftigt sich auch intensiv - und philosophisch - mit dem Thema Tod und Sterben (auf Seite 209 wird es echt krank) bzw. mit der Frage, ob ein Mord gerechtfertigt sein kann. Aichner erzählt seine Geschichte wieder im gewohnten Staccato-Stil, der offenbar auch im Ausland sehr gut ankommt. Denn der Vorgängerroman "Totenfrau" wurde mittlerweile in 15 Länder exportiert (von den USA bis Australien). Dem genauso brutalen und rasanten "Totenhaus" ist das ebenfalls zuzutrauen.

Bernhard Aichner wird am 24. September in Köln der Crime Cologne Award 2015 verliehen.

Bernhard Aichner

Totenhaus

Krimi. Verlag btb, München 2015, 448 Seiten, 20,60 Euro.