"Die Welt kann gar nicht so schlecht sein - sie hat uns schließlich Erich Kästner geschenkt", stellte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einmal treffend fest. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer natürlich der Hinweis auf einen neuen Sammelband, den der Kästner-Experte Sven Hanuschek nun herausgegeben hat. Der Inhalt: 46 Erzählungen des großen Schriftstellers, Publizisten, Drehbuchautors und Kabaretttexters, die zum Teil seinerzeit nur in Tageszeitungen erschienen und deshalb der Nachwelt weitgehend unbekannt sind.

Der kleine Herr Stapf hat hier ebenso seinen fünfseitigen Auftritt wie Amfortas Kluge, der vom Dalai-Lama bis nach Chikago reist, oder auch Karl der Faule. Und von der Kinderkaserne und der missglückten Auferstehung haben vermutlich auch noch nicht viele Zeitgenossen gelesen - und selbst wenn: Es zahlt sich immer aus, einen Kästner in die Hand zu nehmen. Egal, ob er über die Liebe, Kinder oder den Tod schreibt (kommt alles im Sammelband vor). Zumal viele Texte neue Facetten zeigen, die man an Kästners bekanntesten Werken bisher vielleicht nicht so wahrgenommen hat. Insofern kann man Hanuschek nur danken, zumal er die Texte aus den 1920ern, 1930ern und 1940ern in seinem Nachwort ins rechte Licht rückt.

Erich Kästner:
Der Herr aus Glas - Erzählungen
Atrium Verlag; 298 Seiten; 23,70 Euro