Daniel ist "fast bis zum Irrsinn müde", aber er muss wieder in den Stall, einem Schaf beim Ablammen helfen. Vor drei Wochen ist seine Frau gestorben, er sieht sie überall. In den CDs, die sie zur Abschreckung der Sperlinge und Stare an die Stalldecke gehängt hat, im Bestandsbuch, in das er die Geburt der Lämmer einträgt. In seinem Zustand der Übermüdung, Trauer, Einsamkeit und der Angst, ob er es alleine schaffen wird, seine kleine Farm an der walisischen Küste zu halten, reagieren Körper und Geist hochsensibel auf jedes Geräusch, jeden Geruch, auf Licht und Schatten.

Der walisische Schriftsteller Cynan Jones legt mit "Graben" einen schmalen, aber extrem dichten, sprachgewaltigen Roman vor. Er handelt vom archaisch anmutenden Überlebenskampf, von Jagd und Gejagtwerden, vom Ringen mit der Natur und der Konfronta- tion zweier zorniger, vom Leben enttäuschter Männer. Daniels Gegenspieler ist ein brutaler Hundezüchter, der illegal Dachse jagt und sie in Wettkämpfen abgerichteten Terriern vorwirft. Abstoßende Szenen voller Blut und Verrohung wechseln mit feinsten Empfindungen angesichts der rauen Landschaft und mancher Erinnerung Daniels an glückliche Momente. Ein eindringlicher Roman

Cynan Jones

Graben

Roman. Übersetzt von Peter Torberg. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München 2015, 174 Seiten, 16,90 Euro.