Margit Fischer: "Sich selbst treu bleiben." - © apa/Neubauer
Margit Fischer: "Sich selbst treu bleiben." - © apa/Neubauer

Wien. "Was ich weiterzugeben habe, ist ein Stück österreichische Zeitgeschichte aus Sicht einer Frau, die in der zweiten Reihe stand und steht, aber vieles aus erster Hand erfahren und erleben durfte. Meine Geschichte erzählt von den wichtigsten Herausforderungen des Lebens: Sich selbst treu zu bleiben, den Blick fürs Neue nicht aus den Augen zu verlieren und dafür zu sorgen, dass auch die nächsten Generationen die Chance haben, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten."

Mit diesen Sätzen, die Margit Fischer auch am Dienstagabend bei der Präsentation ihres Buches "Was wir weitergeben" im Wiener Theatermuseum vorlas, skizziert die Gattin des amtierenden Bundespräsidenten im Vorwort ihrer Memoiren, dass es ihr darum geht, dass ihre reichen Erfahrungen nicht verlorengehen. Das beginnt mit ihrer Familiengeschichte ("Was mich prägte") und führt über Gedanken zu Exil und Heimat ("Was ich suchte & fand"), Bildung ("Was uns weiterbringt"), Partnerschaft ("Was wir brauchen") und Emanzipation ("Was wir wollen") bis zum Aufruf zum Lernen aus der Geschichte ("Was wir weitergeben").

"Asyl" ist Margit Fischer ein wichtiges Wort. Ihm verdankt sie, dass sie 1943 in Schweden zur Welt kam, wo ihre sozialdemokratischen Eltern während der NS-Zeit Zuflucht fanden. "Aus Verantwortung für das Land, für die Gesellschaft" kehrte ihr Vater nach dem Krieg nach Österreich heim. Aus dieser Erfahrung formulierte Margit Fischer bei der Buchpräsentation ihre Haltung zur aktuellen Lage: Man sollte "sehr sorgfältig" mit Menschen auf der Flucht umgehen und zugleich bemüht sein, in deren Heimatländern die Voraussetzung zu schaffen, dass sie wieder heimkehren können.

Das reich bebilderte Buch, das Margit Fischer ihren drei Enkeltöchtern widmet, gibt viele Einblicke in das private, vor allem aber in das politische Leben des Ehepaares Fischer. Heutigen Politikern wünscht die Autorin vor allem eines: mehr Zeit zur Reflexion.