Kontrastreich und überzeichnet wie einen Film von Wes Anderson setzt die Autorin Bettina Gärtner ihren Debütroman "Unter Schafen" auf. Vordergründig geht es in dem skurrilen Kammerspiel um einen Ehebruch und die Machtverhältnisse in einem familieneigenen Pharmakonzern, der aus dem Fett georgischer Schafe Kapital schlägt.

Doch allmählich schälen sich Lügen und Geheimnisse aus dem Geschehen, und die Ebene des Symbolischen senkt sich in der zweiten Hälfte des Buches schwer über das Erzählte: Der Bruder der Ich-Erzählerin Klara kommt als Gast des "Konzerns" ins Haus, ein Zuchtschaf soll entführt werden, und die paranoiden Maßnahmen des Sicherheitsdienstes bestimmen das Geschehen, das am Ende mehr Fragen hinterlässt als es Antworten gibt. Wie heißt es gegen Ende im Buch: "Das Schaf hat einen so zufriedenen Eindruck gemacht. Letzten Endes bleiben aber Tiere rätselhaft." - Ebenso wie das in sich geschlossene, leicht kafkaeske Universum, das Bettina Gärtner in "Unter Schafen" eröffnet.