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Brüssel. Es kam anders als gedacht: Schriftsteller Robert Menasse begab sich 2010 nach Brüssel, um einen Roman über das Leben im vermeintlichen Technokraten-Zentrum der Europäischen Union zu schreiben. Er wolle im Dickicht der europäischen Institutionen das wahre Europa erforschen. Aus dem Roman-Projekt wurde vorerst nichts. Dafür legte Menasse 2012 mit dem 112-seitigen Essay "Der Europäische Landbote: Die Wut der Bürger und der Friede Europas oder Warum die geschenkte Demokratie einer erkämpften weichen muss" (Zsolnay) eine treffende Analyse des Zustandes und des Zukunftspotenzials der EU vor. Es ist auch eine leidenschaftliche EU-Streitschrift für ein über engstirnige Nationalismen erhabenes Europa.

"Europa muss", so forderte Menasse, "der Fantasie der Künstler folgen und nicht den Pragmatikern, die die Krise erst geschaffen haben". Menasse selbst hat bei seinen Recherchen nach eigenen Angaben einen Wandel vom "skeptischen zum solidarisch-kritischen Europäer" durchgemacht.

Vielfach ausgezeichnet

Für diesen Essay wurde Robert Menasse am Dienstag im Europäischen Parlament mit dem Prix du Livre Europeen in der Sparte Essay ausgezeichnet. Die jährlich vergebene Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotierte. In der Sparte Roman wurde 2015 der belgische Autor Jean-Pierre Orban für seinen Romanerstling "Vera" ausgezeichnet. Es ist nicht die erste Auszeichnung, die Menasse für seinen Essay erhält. Der Text wurde bereits als das politische Buch des Jahres 2013 geehrt, erhielt den Donauland-Sachbuchpreis, den Österreichische Kunstpreis und den Heinrich-Mann-Preis.