Die Familiengeschichte von Lennart Behrend (20) und Lilly Heinemann (18) könnte unterschiedlicher nicht sein: Er hat seinen Bruder durch einen Unfall verloren und ist seither mit den Eltern zerstritten; sie wird behütet und umsorgt, droht aber selbst bald an schwachem Herzen zu sterben. Absolut zufällig treffen die beiden im Internet aufeinander, und nach anfänglicher Skepsis entsteht tatsächlich eine Chat-Freundschaft.

Und plötzlich wechselt das Ganze ins Körperliche, weil nämlich Len die begnadete Cellistin Lilly, die just vor einer gefährlichen Herz-OP die Zusage für das Wiener Konservatorium bekommt, dazu überredet, das nicht als Höhnen des Schicksals abzutun, sondern tatsächlich mit ihm bei Nacht und Nebel (ihre Eltern würden die weite und für ihr Herz gefährliche Fahrt nie erlauben) den Trip vom nördlichen Deutschland nach Wien zu wagen. Es wird eine Reise, die beider Leben nachhaltig verändert . . .

Sofie Cramer hat es geschafft, einen Jugendroman zu schreiben, der sich auf eine Art und Weise mit Leben und Tod befasst, die sich sozusagen auf Augenhöhe abspielt. Mit viel Gefühl, Behutsamkeit und einem Schuss Humor. Schön zu lesen und letztendlich trotz allem leichter als der Stoff, aus dem er gewoben ist.

Sofie Cramer:
Der Himmel kann warten
Rowohlt; 10,30 Euro