Christian Schacherreiters Roman "Wo die Fahrt zu Ende geht".

Ein Mann, 56 Jahre und etwas schwerfällig, bewegt sich suchend durch den neuen Roman von Christian Schacherreiter. Der Ich-Erzähler trifft, langsam auf seinem Lebensweg dahinschlendernd, erst auf Dora, eine alte Liebe aus Jugendjahren, mit der er erneut eine Affäre beginnt, um die Siebziger Jahre dabei mit ein wenig Nostalgie auf den Lippen neu aufleben zu lassen. Die Wiedersehensfreude bleibt jedoch von kurzer Dauer - zu sehr ist jeder in seiner eigenen Alltags- und Routinewelt gefangen.

Dann lernt er Lisa kennen, eine junge Praktikantin, der er in seiner Unsicherheit ebenso verfällt wie sie ihm. Gemeinsam verfolgen sie ein Projekt, in dessen Zentrum die oberösterreichischen Klöster stehen. Auf einer Reise durch Oberösterreich vertieft sich ihre Beziehung. Dabei verhält sich der Protagonist genauso planlos wie in seinem Leben. Einzig konkret erscheint ihm die Angst davor, älter zu werden und seine junge Liebe zu verlieren. Im christlichen Glauben mit all seinen Traditionen und Mythen sucht er ebenso Halt, wie in der Bindung zu Lisa.

Beides scheint jedoch zum Scheitern verurteilt, was sich einerseits darin ankündigt, dass ihm ein Ausbrechen aus seinen festgefahrenen Gewohnheiten unmöglich ist, andererseits in den eigenen moralischen Bedenken: "Als meine sechsundfünfzigjährigen Hände zum ersten Mal ihre sechsundzwanzigjährigen Brüste berührten, fühlte ich mich, als benähme ich mich stillos, vielleicht sogar so, als beginge ich ein kleines Verbrechen." Und so ist die einzige Frau, in der er gegen Ende eine dauerhafte Vertraute findet, seine Schwester.

Unterhaltsam, stellenweise jedoch - wie der Protagonist selbst - etwas schwerfällig.