Wie Edmund de Waal in seinem Roman "Der Hase mit den Bernsteinaugen", erzählt der 1927 in Wien geborene Thomas Weyr in seinen Erinnerungen "Die ferne Stadt" das Schicksal seiner halbjüdischen Familie, die 1938 emigrieren musste. Vater Weyr war ein bekannter Kulturjournalist, die Mutter Ärztin. Einzelkind Thomas war 15, als es via England nach Amerika ging. Hier wird keine großbürgerliche Opulenz beschrieben, sondern das Leben gutbürgerlicher Wiener, die im letzten Moment die Reise ins Überleben antreten konnten.

Die Erinnerung an das freudvolle Ankommen in der fremden Kultur, die Mühen mit der fremden Sprache und die Drangsale des Erwachsenwerdens überdecken, dass aus Thomas ein halber Amerikaner wird, während Vater Weyr sich stets nur als Gast sieht. Unausgesetzt plant er die Rückkehr der Familie nach Wien. Da die Nachrichten aus Europa widersprüchlich sind, schifft er sich allein ein. In Briefen schildert er den Seinen das Nachkriegs-Wien, Opern- und Theateraufführungen und seine Treffen mit den Größen der Zeit. Eine gelungene Theateraufführung lässt ihn hoffnungsfroh in die Zukunft blicken, geht etwas daneben, verdüstert sich sein Gemüt.

Als die Familie 1948 in Wien wieder vereint ist, setzen die Erinnerungen der Autors selbst ein. Er studierte Medizin und Psychologie, arbeitete für die US-Nachrichtenagentur "United Press" und führte ein beschwingtes Leben im Künstlermilieu. Man feierte, wenn man so will, das (Über-)Leben. Ein kurzweilig zu lesendes Buch, ein zentraler Mosaikstein für das Wien-Bild, das wir alle im Kopf haben.