Esoterik, Seelenwanderung, Wiedergeburt - man kann davon halten, was man will. Und es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob es in einen Krimi des Jahres 2016 passt, bei dem es um Morde in der Pharmaindustrie geht - also ausgerechnet auf hochwissenschaftlichem Terrain, das ja eigentlich überhaupt keinen Raum für Übersinnliches lässt. Petra K. Gungl ist das aber egal, und so setzt sie unbeirrt ihre mit "Diabolische List" begonnene Krimireihe um die mit übersinnlichen Gaben gesegnete (oder belastete?) Juristin Agnes Feder mit "Diabolisches Spiel" fort.

Und wer ihren gewöhnungsbedürftigen Zugang im ersten Buch gemocht hat, wird auch das zweite lieben. Denn an Stil und Handlung ist aus handwerklicher Sicht nichts auszusetzen. So verfolgt man Agnes' unfreiwilligen Wechsel von Wien nach London zum Mutterunternehmen ihres Arbeitgebers mit. Doch anstatt dort auf dem Abstellgleis zu landen und wenigstens der brutalen Vergangenheit mit Morden im In-Vitro-Labor den Rücken kehren zu können, steckt sie bald schon wieder mittendrin in einer Mordserie. Und die ist ebenso verzwickt wie die erste, vor allem weil Agnes erneut von Klarträumen heimgesucht wird, in denen sie ein früheres Leben erlebt, das direkt mit den aktuellen Ereignissen zusammenhängt - aber die Beweise, die sich für sie daraus ergeben, werden natürlich vor keinem Richter halten. Und so kämpft sie gegen Windmühlen und wird sogar selber zur Hauptverdächtigen, bevor es im großen Finale zum Showdown im englischen Landhaus in bester Agatha-Christie-Manier kommt. Auf dem Weg bis dorthin nimmt Petra K. Gungl ihre Leser mit auf eine spannungsgeladene Seelenwanderung.