Dass die Wikinger als wildes und furchtloses Seefahrervolk in die Geschichte eingegangen sind, verwundert nicht, wenn man sich ihre Göttersagen ansieht. Denn im Vergleich zu Odin, Thor & Co. nehmen sich der griechische Göttervater Zeus samt seiner Sippe und der römische Obergott Jupiter mit seinem Clan förmlich wie Kindergartengruppen aus. So wild treiben es nämlich die nordischen Asen - zumindest in der Neuübersetzung von Waldtraut Lewin, die auf 288 Seiten die alten, bruchstückhaften Überlieferungen sehr prosaisch zusammengefasst hat.

Da wird gesoffen, gekämpft (vornehmlich mit Riesen und Ungeheuern) und intrigiert, was das Zeug hält. Und die am häufigsten gebrauchte Phrase lautet: "Ich wette um meinen Kopf, dass . . ." Ein Wunder, dass den letztendlich dann doch keiner der Götter verliert. Obwohl einer von ihnen tatsächlich getötet wird, noch dazu vom eigenen blinden Bruder, wenn auch versehentlich. Doch es ist der Anfang vom Ende - denn die Welt der nordischen Götter geht tatsächlich auch unter. Ein weiterer Punkt, der sie so einzigartig macht. Ansonsten erfährt man bei Waldtraut Lewin allerhand Haupt- und Nebensächliches über die Asen, das man - im Gegensatz zu Römern und Griechen - in der Schule nicht gelernt hat. Ein nicht nur sinnvoller, sondern auch höchst unterhaltsamer Beitrag zur Allgemeinbildung.

Waldtraut Lewin: Nordische Göttersagen
Loewe; 288 Seiten; ab 12 Jahren; 6,20 Euro