Charlie Goldwyn ist 35 und hat es fast geschafft. Er ist auf dem besten Wege, Partner in seiner Anwaltskanzlei zu werden, die sich auf die Finanzbranche spezialisiert hat. Und seit dem Tod seiner Frau verbringt er fast sein ganzes Leben im Büro und arbeitet wie ein Tier. Nur: Daheim hätte er eigentlich noch seinen fünfjährigen Sohn Caleb, den nun Charlies Zwillingsschwester Zadie mehr oder weniger alleine großzieht, weil Papa ja immer so spät heimkommt, wenn überhaupt.

Bis Charlie eines Tages die Sicherungen reißen und er sich im Suff aus lauter angestautem Frust vor versammelter Kanzleimannschaft um Kopf und Kragen redet. Und nachdem seine kleine Ansprache via Youtube einmal um den Globus gegangen ist, ist Charlie auch seinen Job los. Und hat damit plöztlich alle Zeit der Welt, nicht nur Rachepläne gegen den Kollegen zu schmieden, der ihm das eingebrockt hat, sondern vor allem sich um seinen Sohn zu kümmern. Und dabei draufzukommen, dass der natürlich auch mit dem Verlust seiner Mutter zu kämpfen hat, wahrscheinlich sogar noch viel ärger als Charlie selbst. Und dann ist da noch die Sache mit Charlies Vater, der seine verstorbene Mutter seinerzeit mit Zwillingen sitzen hat lassen und seit einiger Zeit versucht, nun doch wieder Kontakt zu seinen Kindern aufzunehmen . . .

Cristina Alger hat einen herrlich schwülstigen Papa-Kind-Roman geschrieben, der in der New Yorker Upper Class spielt und in allen Klischees badet, die man sich nur vorstellen kann. Von Wall-Street-Haien bis Botox-Vorzeigeweibchen ist alles dabei. Daneben gibt es aber auch noch ganz große Gefühle: Angst und Verlust, Schmerz und Trauer, Mut und Wut, Versöhung und Vergebung - und Liebe und Zugang zu (Klein-)Kindern. Lass einfach den Tränen ihren Lauf . . .

Cristina Alger: Kleines Herz, großes Glück
Rowohlt; 395 Seiten; 10,30 Euro