Das sorgfältige Austüfteln von Ereignisverläufen, gemeinhin Handlung genannt, ist Nicholson Baker nicht so wichtig. Die Romane des US-amerikanischen Autors lassen sich oft schnell nacherzählen. Sein jüngster Streich, "Das Regenmobil", sogar besonders schnell: Paul Chowder ist ein Dichter, der die Lust an Gedichten verliert. Stattdessen versucht er sich als Songwriter. Aus.

Doch Baker gilt nicht umsonst als beredter Entdecker vielsagender Details, als gewandter Erzähler minimalistischer Abenteuer. Er ist der Schriftsteller, dem der Alltag schwerer fällt. Ein schräger Schatten auf einer Tankstelle neben Chowders Auto genügt, und Bakers Phantasie zaubert daraus den Schrecken einer gefährlichen, böswilligen Benzinpfütze.

Chowder sitzt oft in seinem alten Auto, eingehüllt in den Rauch mächtiger Zigarren und kühner Assoziationen. Kreativität ist seine schlampige Kraft. Die Spuren, die sie einem legt, führen oft ins Nichts. Darüber hängt Baker aber stets großartige Gedankenschleifen über Dichtung, Musik und das Leben im Bereich 50+. Das Buch beginnt mit einem leisen Abschied von der Poesie. "Als ich zum ersten Mal Keats Sonett ‚Wenn Angst mich fasst‘ las, aß ich gerade ein Thunfisch-Jumbo." Der Dichter John Keats hört in dem Gedicht auf "zu sein". Bakers Protagonist hört auf zu kauen. So leicht berühren sich hohe Kunst und banale Bedürfnisse, was auch eine Kunst ist. Chowder lässt vom Dichten ab, immer öfter kreisen seine Gedanken um Musik und Musikinstrumente.

Das Musik-Gelüst wächst sich rasch zur Manie aus, weitere Investitionen werden getätigt, bis ein kleines Garagenstudio mit Software, Mischpult und Mikro eingerichtet ist. Ab jetzt nimmt der Roman stellenweise das Format einer Songwriter-Howto an, mit höchst konkreten Hinweisen dazu, wie man eine Ein-Mann-Garagenband gründen könnte, Gitarren-Kaufberatung, Software-Ausstattung und detaillierte Hardwarebeschreibung inklusive. Auch ein musikalisches Rezept für Klangsalat ist dabei. Dazu kommen interessante Listen abrufbarer Songs von iTunes und Youtube, samt Erläuterung, was das Hören dieser Songs mit einem macht. (Es verändert einen, aber nie für lange.)

Die Suche nach einem guten Song ist die Suche nach einem unverbrauchten Moment. Viele hat die Popkultur ja nicht mehr übrig gelassen. Das Lied, das Chowder in Wahrheit sucht, ist jedoch ein altes Lied: Er will damit Rosslyn zurückgewinnen, seine Ex-Lebensgefährtin. Erst gegen Ende des Romans erfährt man, ob ihm das gelingt.