- © (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen
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Wäre Andrea Camilleri nicht in Porto Empedocle auf Sizilien geboren worden, sondern in Marseille in der Provence, hätte er vielleicht einen ähnlichen Kriminalisten erfunden. Sophie Bonnet und ihr Pierre Durand brauchen jedenfalls den Vergleich mit dem italienischen Kultautor und seinem Salvo Montalbano nicht zu scheuen, der sich ob gewisser Ähnlichkeiten zumindest anbietet, wenn nicht gar aufdrängt. Sturköpfigkeit und Eigensinn, gepaart mit einem genussvollen Zugang zur regionalen Kulinarik (wobei Bonnet auch noch originale Rezepte hinten anhängt) und gewissen umgebenden Charakteren, die dem jeweiligen Ermittler zeitweise auf die Nerven gehen, findet sich da wie dort. Und da wie dort führen die beiden ersten Eigenschaften in der Regel über Umwege zum Ziel.

So auch in Durands mittlerweile drittem Fall, der sich um eine mutmaßlich ermordete Seifenherstellerin dreht, deren engste Mitarbeiterin bald darauf ebenfalls tot ist, während ihr Sohn spurlos verschwindet. Und Durand, der sich gerade um den Posten als Commissaire der doch um vieles größeren Stadt Cavaillon bewirbt, weil er sich als Polizeichef des Dorfes Sainte-Valérie kompetenztechnisch eingeengt fühlt und auf ein besseres Gehalt spitzt, wird - eigentlich gnadenhalber - als Ermittler in den Mordfällen beigezogen, weil das auch eine treffliche Gelegenheit für den Präfekten ist, ihn sich gegen seinen Konkurrenten um den Posten beweisen zu lassen.

Ob Durand am Ende tatsächlich die Provinz wieder verlässt wird an dieser Stelle ebenso wenig verraten wie der Mörder (natürlich ist es nicht der allgemein Verdächtigte, an den Durand als Einziger nicht glaubt) - dafür sei gesagt, dass Bonnet wieder einmal nicht nur viel provenzalische Küche einbaut, sondern auch tief in den Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit eintaucht. Denn ein mutmaßliches Mordmotiv könnte der Streit darum sein, wie billig (auf Kosten von Natur und Menschen) Seife hergestellt werden darf. Einmal mehr hat die Autorin, die in Wahrheit Heike Koschyk heißt, aber lieber unter Pseudonym in der Provence literarisch unterwegs ist, einen erstklassigen Krimi abgeliefert, bei dem auch das Zwischenmenschliche gerade richtig dosiert ist: nicht zu wenig, um den Protagonisten dem Leser sympathisch zu machen - und nicht zu viel, um nicht von der eigentlichen Handlung abzuschweifen.

Sophie Bonnet: Provenzalische Intrige
Blanvalet; 320 Seiten; 15,50 Euro