Eigentlich ist alles schon dagewesen: Ein Unbekannter entführt zwei Frauen, sperrt sie nackt in ein Verlies und misshandelt sie. Währenddessen hat draußen der Wettlauf mit der Zeit - und natürlich ohne Polizei und auf eigene Faust - begonnen. Dass Roman Klementovic hier nichts Besseres eingefallen ist, kann man ihm zum Vorwurf machen. Loben darf man ihn allerdings auch: nämlich für die individuelle Ausführung, weil in der Folge die nächste Angehörigen der Entführten jeweils einen Anruf bekommen und aufgefordert werden, beim nächsten Mal abzuheben und den Grund der Entführung zu nennen - oder aber nicht ans Telefon zu gehen, dafür werden den Opfern Schmerzen bereitet. Und dieser Zugang ist zumindest kreativ - auch wenn Klementovic sich auch damit wieder in die lange Reihe von Thrillerautoren stellt, die glauben, ihr Publikum nur mit sadistischen Tätern unterhalten zu können.

Dabei hätte er das gar nicht notwendig, weil er dazwischen beweist, dass er mehr draufhat. Wenn er nämlich zum Beispiel schildert, wie die beiden Angehörigen - ein überarbeiteter Jurist und ein kleinkrimineller Autohändler - innerlich zerfressen werden von der Sorge, aber auch später von der Erkenntnis, wie die Dinge zusammengehören. Wie sie auf der Suche nach Hinweisen jeder auf seine Weise einen Stein nach dem anderen umdrehen. Und wie ein von seinem verhassten Vorgesetzten abgeschossener Polizist unversehens mitten hinein stolpert in die Geschichte, während er privat von seinen eigenen Problemen zerfressen wird. Vor allem ist es der Tonfall, den Klementovic bei seiner Erzählung draufhat, der seinen Wien-Thriller so richtig in die Tiefen der Hauptstadt hinunterzieht. Und da ist man dann auch schon wieder versöhnt mit dem banalen Ausgangspunkt . . .

Roman Klementovic: Verspielt
Gmeiner Verlag; 312 Seiten; 13,40 Euro