Es gibt Bücher, bei denen man das Nachwort zuerst lesen sollte. Dann erfährt man zum Beispiel, bevor man Nina Georges neuen Roman "Das Traumbuch" aufschlägt, warum der Stoff so deprimierend ist. Die Autorin schließt damit nämlich eine Art Trilogie ab (nach "Die Mondspielerin" und "Das Lavendelzimmer"), in der sie den relativ frühen Tod ihres Vaters verarbeitet hat.

Und der p.t. Leser darf nun mitleiden, wenn sie einen Vater ins Koma fallen lässt, noch bevor dieser seinen 13-jährigen Sohn endlich persönlich getroffen hat. Am Krankenbett trifft dieser auf eine Ex-Freundin seines Vaters, der als Kriegsreporter einfach ungeeignet für dauerhafte Beziehungen war. Es ist ein Buch der Abschiede, nicht nur für die beiden, sondern auch für die Mutter des Teenagers, der - quasi im Gegenzug - eine neue Bekanntschaft macht: Er verläuft sich nämlich im Krankenhaus einmal und entdeckt dabei ein junges Mädchen, das zwar früher getanzt hat und nach einem schweren Verkehrsunfall zwar nicht im Koma liegt, aber vom "Normalzustand" auch weit entfernt ist. Daraus entwickelt sich ein einseitiger Jugendroman, der einen neuen Handlungsstrang auftut in diesem ereignislosen, aber trotzdem packenden Buch über Liebe, Abschied und Familienzusammenhalt, in dem sich Nina George auch bei der Beschreibung dessen, wie Ärzte mit Komapatienten und deren Umständen umgehen, kein Blatt vor den Mund nimmt.

Nina George: Das Traumbuch
Knaur; 411 Seiten; 17,50 Euro