Sie waren das vielleicht berühmteste Paar der neueren Literaturgeschichte: Der britische Dichter Ted Hughes und die amerikanische Lyrikerin Sylvia Plath, die zu Lebzeiten nicht viel veröffentlichte, damit aber beträchtliche Resonanz erzielte; ihr spektakulärer Suizid im Februar 1963 verhalf ihr zu einem Status, an dem es bis auf den heutigen Tag nicht viel zu rütteln gibt.

Die Geschichte dieser Liebe, in der niemand glücklich wurde, ist oft und mit wiederkehrenden Variationen erzählt worden; von zerstörerischer Leidenschaft war die Rede, von Depressionen, Verzweiflung, Selbstbespiegelung. Die Rolle des bösen Buben, der seine hochbegabte Frau, auch auf Grund eigener Charakterschwächen, in den Selbstmord trieb, bekam Ted Hughes zugewiesen. Er galt als unbelehrbarer Schürzenjäger, der buchstäblich über Leichen ging; ein Ruf, den er nicht los wurde, auch weil er eine halbherzige Verteidigungsstrategie fuhr, die sich nicht recht entscheiden konnte, wie der nahezu einhelligen Ablehnungsfront, der er sich gegenübersah, zu begegnen war.

Der Vielgeschmähte

Hughes hatte, salopp gesagt, erst kein Glück, und dann kam noch Pech dazu, als sich seine zweite Frau, die ohnehin im Schatten der genialischen Sylvia Plath stand, auf ähnliche Weise wie die Vorgängerin das Leben nahm.

Wenn man den Lebensroman von Sylvia Plath und Ted Hughes, wie jetzt von der renommierten niederländischen Autorin Connie Palmen in ihrem Buch "Du sagst es" unternommen, neu zu erzählen versucht, sollte es gute Gründe dafür geben, die sich aber, um es vorwegzunehmen, dem Leser nicht recht erschließen.

Palmen lässt den vielgeschmähten Hughes selbst zu Wort kommen; das mag überfällig sein, trägt aber nicht zur Unschuldsvermutung bei, die dem Dichter, der es später immerhin noch in den Rang des Poet Laureate am britischen Königshof schaffte, durchweg vorenthalten wurde.

Schon beim Einstieg in den Roman knirscht es vernehmbar, was auch an der Sprache liegt, die bereits beim Bemühen, die ersten Liebesszenen in Erinnerung zu rufen, abrutscht: "Wir liebten uns wie Giganten, mit gierigen Bissen. Ungeduldig erforschte ich die Genüsse ihres wunderbaren, geschmeidigen Körpers, der sich wand wie der einer Schlange und der so viel schmaler und zerbrechlicher war, als ihr rundliches Gesicht vermuten ließ. "

Danach geht es beruhigter zu, was dem Roman bekommt, nicht aber der Beziehung zwischen Plath und Hughes, die sich als anhaltend schwierig erweist, auch und gerade in der Ehe, die beide eingehen. Als die Kinder Frieda und Nicholas geboren werden, wird es nicht einfacher, im Gegenteil. Nun müssen die Wut- und Auslöschungsattacken, die Sylvia heimsuchen, mit einem Verantwortungsgefühl in Einklang gebracht werden, das sich um ästhetische Verdienste und Anmaßungen nicht schert, sondern nur bedient werden will. Ein Mann hat es da, damals wie heute, leichter: Er kann sich, und sei es bloß vorübergehend, aus dem Staub machen, um auf bewährte Weise Ablenkung zu suchen. Im Rückblick räumt Hughes, leicht zerknirscht, aber auch gern mit nachgereichter Entschuldigung, manchen Fehler ein; egal, es nützt nichts mehr, letztlich musste es wohl so kommen, wie es gekommen ist.

Bitteres Fazit

Connie Palmens Roman wird in der zweiten Hälfte zusehends besser; er erhebt sich über persönliche Befindlichkeiten und lässt Wahrheiten anklingen, die zuvor nicht ausgesprochen werden durften. Ein versöhnliches Ende kann es trotzdem nicht geben; dafür haben Ted Hughes’ Widersacher gesorgt, denen nicht mehr beizukommen ist. Sein Fazit, für das er den hohen Ton wählt, fällt bitter aus:

"Ich fand mein gestohlenes Leben in den Büchern wieder, sah meine Liebe, meine Ehe, meine Gefühle, Gedanken und Handlungen von Freunden und Fremden für mich interpretiert, las, wie Fakten geleugnet oder verdreht wurden, wie mir Worte in den Mund gelegt wurden, die ich nie gesagt habe (. . .) Die babylonische Industrie um meine verherrlichte Frau verwandelte meine geschlossene, heimliche Welt in einen Dorfplatz, in dessen Mitte ich, nackt an einen Schandpfahl gebunden, einem Erdnüsse knabbernden, sensationslüsternen Publikum preisgegeben war."

P.S.: Ted Hughes stirbt am 28. Oktober 1998 und bekommt eine Beerdigung, die seinem Stand als königlicher Hofpoet entspricht. Die Tochter Frieda versucht sich als Malerin, lebt eine Zeitlang in Australien und kehrt dann nach England zurück. Nicholas Farrar Hughes, der Sohn, setzt auf seine Weise die Familientradition fort und begeht 2009 im unwirtlichen Alaska Selbstmord.