Victor Schiferli gelingt mit seiner Anthologie über Amsterdam ein teils amüsanter und tiefblickender, aber vor allem persönlicher Streifzug durch die Hauptstadt der Niederlande. Für den Band wurden neben im deutschsprachigen Raum durchaus bekannten (Cees Nooteboom, Margriet de Moor) insbesondere weniger bzw. noch unbekannte Autoren (Maartje Wortel, Theo Thijssen, Thomas Heerma van Voss) übersetzt, die Schiferli gerne gefördert sehen möchte.

Schiferli, selbst Schriftsteller und Dichter, hat völlig divergente Texte niederländischer Autoren ausgewählt, um Amsterdam in so vielen Facetten wie nur möglich zu präsentieren. Es treffen Klassiker aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auf sehr junge Autoren, die die nationale Gegenwartsliteratur prägen. Es überschneiden einander Texte von Kolumnisten, Dozenten, Übersetzern und Literaturwissenschaftern, sowie von Klaviervirtuosen, Politikern und Biologen. Die Inhalte reichen von käuflicher Liebe, Drogen, der Hingabe zum Fahrrad und anderen Eigenheiten der Bewohner, über Kriegswirren und -folgen bis hin zu Rassismus und dem Einfluss der Migranten, die Amsterdam zu jener kulturell vielfältigen Stadt machen, die sie heute ist. Einfühlsame und witzige Geschichten berichten von Familien, Nachbarn, Freunden und Feinden der Stadt.

Zwar erzählen die preisgekrönten Autoren unterschiedlicher Generationen und Herkünfte von ein und demselben Ort, doch unterschiedlicher und abwechslungsreicher könnten die Beiträge kaum sein - so wie man Amsterdam eben kennt: bunt, anders, speziell.