Es ist so weit: Mit großer Freude kann man sich nun "Letzte Freunde", dem dritten und letzten Teil der Jane-Gardam-Trilogie um den verschrobenen Richter Old Filth aus England, zuwenden. Mit noch größerer Freude darf man feststellen, dass die Erzählkunst der Britin auch in diesem Band aufs Äußerste getrieben wird.

"Die Titanen waren nicht mehr", so beginnt der Roman, in dem sich alles um Sir Terence Veneering dreht, Erzfeind des Old Filth, der bereits in Band zwei im Zentrum stand und dessen Frau Veneerings große Liebe gewesen ist. Daher der Hass, daher aber auch die lebenslange Verbindung zwischen den beiden. Dieser Titan Veneering ist also bereits tot, als das Geschehen einsetzt, und man erfährt die wissenswerten Details aus seinem Leben in erster Linie von Zeitgenossen, die wie beiläufig Informationen über diesen fallen lassen.

Seiner Mutter wird ein großer Teil des Buchs gewidmet: Florrie Venetski, die sich in einen Zirkus-Artisten verliebt und diesen zu sich nimmt, nachdem er bei einem Auftritt verunglückt - ein Geheimagent, wie allgemein vermutet wird. Veneerings Bahnen, die er schon als kleiner Bub wacker und unermüdlich beschritt, werden nachgezeichnet, während seine Mutter zu Hause dem Vater treue Gesellschaft leistet.

Das Buch erzählt von der Schicksalsfügung des kleinen Veneering, als er, vor dem Krieg fliehend, auf dem Weg in die Sicherheit nach Kanada bei einem Zwischenaufenthalt in Liverpool von Bord geht und so dem Tod entkommt, der seine Mitreisenden nach einem Bombenangriff ereilt.

Es erzählt vom Hass, der ihn seit jeher mit Old Filth verbindet, und sich just in dem Moment in eine späte Freundschaft verwandelt, als die beiden zufällig Nachbarn werden, was sich "gelangweilte Götter an einem tristen Tag auf dem Olymp ausgedacht haben mussten".

In einem eingeflochtenen Erzählstrang finden zwei weitere Figuren aus dem Filth-Veneering-Kreis, Dulcie und Fiscal Smith, zu einer späten Zuwendung: zweifellos die humorvollsten Passagen des Romans. Wundervoll, wie Gardam es schafft, die alte und leicht alterswackelige Dulcie zu beschreiben, ohne ihren Zustand jemals in konkrete Worte zu fassen.

Jane Gardam liefert mit "Letzte Freunde" das letzte Teilstück einer Geschichte voller Erinnerungen und Rückblicke in das England vergangener Tage - und bietet gleichzeitig eine humorvolle Inszenierung des Alterns. Ganz nebenbei ist dieses Buch nämlich ein freudiger Abgesang auf das Leben.