- © (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen
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Der zwölfjährige Ethan wächst ohne Vater auf, nachdem dieser die Familie verlassen hat, als Ethan noch ein Baby war. Und für den jungen Burschen ist es umso schlimmer, alleine mit seiner Mutter zu leben, weil er als hyperintelligentes, aber sensibles Kind mit einem ungewöhnlichen Faible für Physik und Astronomie, das deswegen zum Freak abgestempelt wird, ohnehin wenige Freunde und schon gar kein männliches Role Model hat. Als die Situation durch eine weitere Mobbing-Aktion in der Schule eskaliert, kommt plötzlich nach und nach die bittere Wahrheit über seine Familie ans Licht, zumal sein verschollener Dad in der Stadt auftaucht, weil sein eigener Vater im Sterben liegt - und Ethan zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt noch einmal sehen möchte.

Worin das dunkle Familiengeheimnis (das übrigens jede Familie mit kleinen Kindern treffen könnte) besteht, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur, dass Antonia Hayes sich in ihrem gelungenen Debütroman erstens intensiv mit der Frage auseinandersetzt, wie man selbst und die anderen damit umgehen, wenn man so richtig Scheiße gebaut und ein Leben fast versaut hat, und zweitens sehr, sehr viel astrophysikalisches Fachwissen von Wurmlöchern bis Zeitreisen einfließen lässt. Und zwar so, dass es auch Laien verstehen. So zieht sie die Handlung, die erst kurz vor Schluss aufgelöst wird, gekonnt immer mehr durch diese Einschübe in die Länge, ohne ihre Leser zu langweilen - im Gegenteil. Und am Ende hat man die Lektüre nicht bereut - trotz des schalen Nachgeschmacks, den der bittere Inhalt der Grundstory hinterlässt.

Antonia Hayes: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks
Verlag Blanvalet; 464 Seiten; 20,60 Euro