Ordner mit NS-Raubkunst aus dem Bayerischen Nationalmuseum München. - © Bayer. Nationalmuseum
Ordner mit NS-Raubkunst aus dem Bayerischen Nationalmuseum München. - © Bayer. Nationalmuseum

"In keiner anderen Stadt wurde jüdischer Besitz so systematisch ausgeraubt wie hier in München", gesteht Kulturreferent Hans-Georg Küppers bei der Buchvorstellung von "Raub von Kulturgut" im Jüdischen Museum der Bayerischen Landeshauptstadt. Und tatsächlich waren Gestapo und Gauleitung wohl nirgends so gut beraten wie in der selbsternannten "Hauptstadt der Bewegung".

Denn eilfertig halfen hier Kuratoren, Kunsthistoriker und Direktoren der Münchner Museen nach der Reichspogromnacht am 11. November 1938 der Gestapo dabei, jüdische Sammler auszuwählen. Sie waren sich nicht zu fein, selbst dabei zu sein, wenn Wohnungen systematisch ausgeplündert wurden. Ob Ernst Buchner, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, oder Hans Buchheit, der Direktor des Bayerischen Nationalmuseums, bis hin zu Konrad Schießl, Leiter des Historischen Stadtmuseums, sie alle lieferten eifrig Hinweise auf die ihnen meist persönlich bekannten Sammler und Händler. Sie begleiteten die Gestapo und schacherten hinterher persönlich um die Beute. Noch in den Wohnungen wurden die Raubgüter penibel erfasst. Die perfiden Nazibeamten tippten sofort in ihre mitgebrachten Schreibmaschinen.

Spielte auch eine dubiose Rolle : der frühere KHM-Direktor Fritz Dworschak. - © KHM/Elisabeth Schwenk
Spielte auch eine dubiose Rolle : der frühere KHM-Direktor Fritz Dworschak. - © KHM/Elisabeth Schwenk

Direktor Hans Buchheit quittierte täglich gleich mehrere Ladungen, welche die Spedition Schmid anlieferte. Zudem beriet er Himmler und Hitler bei der Bewertung ihrer erbeuteten Kunst. Nach knapp drei Wintermonaten war die Aktion abgeschlossen. Rund 70 jüdische Sammlungen waren dabei ausgeraubt worden. Doch bemühte sich nach Kriegsende niemand besonders, dieses dunkle Kapitel der Münchner NS-Geschichte aufzuarbeiten. Die meisten Beraubten überlebten das NS-Regime nicht. So die Galeristin Anna Caspari, die mehrfach versuchte, nach England zu emigrieren. Sie wurde im Ghetto in Kaunas ermordet. Fabrikant Karl Adler starb wenige Tage nach dem Raub seiner Sammlung, zu der Werke von Max Klinger und Alfred Kubin zählten, im Konzentrationslager Dachau.

Die am Raub beteiligten Museumsleute dagegen behielten in der Nachkriegszeit ihre Posten. Konrad Schießl blieb Direktor. Ernst Buchner, der zunächst seinen Posten hatte räumen müssen, herrschte von 1953 an wieder über die Pinakotheken.

Mit Thomas Muchall-Viebrocks von der Staatlichen Graphischen Sammlung stellte sich gar ein Helfershelfer der NS-Räuber scheinheilig in den Dienst der Rückerstattung. Er war 1938 und 1939 immer wieder als Gutachter bei den Beschlagnahmungen in jüdischen Haushalten dabei. Hans Buchheit sowie sein Nachfolger Theodor Müller versuchten mit aller Macht, die Rückgabe ihrer braunen Beute zu verhindern. Doch die Vergangenheit ließ sich nicht auf ewig verdrängen.