An den Rand gedrängte Außenseiter, zerstörte Existenzen, gebrochene Herzen, verletzte Gefühle - wer Annett Krendlesbergers neuen Erzählband "Doch" aufschlägt, sollte sich nicht unbedingt bereits in einer Depression befinden. Denn die Chance, in selbige noch weiter hinuntergezogen zu werden, ist nicht gerade gering. Die Autorin legt ihren Finger nämlich tief in die Wunden ihrer Ich-Erzählerinnen (wobei mitunter nicht ganz klar ist, ob es wirklich Frauen sind oder vielleicht doch auch Männer), die da ihre Sorgen und Nöte, ihre verschiedenen Lebenserfahrungen mit dem Leser/der Leserin teilen, bis es wehtut - und sogar noch ein wenig länger und tiefer.

Inhaltsschwer, bedeutungsschwanger, jedes Wort dreimal abgewogen und dann sorgfältig platziert - so kommen die 19 Kurzgeschichten auf 184 Seiten daher. Sie handeln von ganz alltäglichen Kränkungen, Ängsten und Sorgen, die womöglich auch die Kollegin im Nachbarbüro oder ein Familienmitglied haben könnte - und keiner ahnt es oder weiß es, weil wir ja doch nie so genau hinschauen und -hören. Annett Krendlesberger tut es und beweist viel Empathie für ihre Mitmenschen, zumindest in diesem literarischen Werk, von dam man(n) vielleicht sagen würde, dass es aus Mäusen Elefanten macht. Oder aber eben, das es versteht, wie sich unverstandene Menschen fühlen. Denn auch die Erzählungen selbst werden manche nicht verstehen (wollen) und genervt weiterblättern. Die anderen aber, die sie verstehen, werden sich verstanden fühlen. Und darauf kommt es schließlich an.

Annett Krendlesberger: Doch
Verlag Kitab; 16 Euro