Aber sie hat gerne freiberuflich gearbeitet, weil sie ihre Themen selbst auswählen und den Redaktionen anbieten konnte. Das gab ihr ein Gefühl der Freiheit und Selbstständigkeit. Als Journalistin war sie fünfundzwanzig Jahre für österreichische und deutsche Zeitungen und für den österreichischen Rundfunk aktiv.

Revolte der 60er Jahre

Die Fotoausstellung mit dem Titel "Das böse Wien der Sechziger", die gerade in der Wienbibliothek zu sehen ist, zeigt vor allem zornige männliche Künstler und nur zwei Künstlerinnen, was einiges über die Stellung der Frau zu dieser Zeit aussagt. Die Revolte der sechziger Jahre hat in Österreich vor allem auf dem Gebiet der Kunst und weniger in der Politik, wie in Deutschland, stattgefunden.

In den achtziger Jahren hat Hilde Schmölzer mit dem Fotografieren aufgehört, weil das Ausarbeiten der Fotos zeitökonomisch zu teuer war und weil sie es sich als bloßes Hobby nicht leisten konnte. Heute bedauert sie es, nicht mehr fotografisch tätig zu sein, aber jetzt, so sagt sie, mit achtzig Jahren fange sie nicht wieder damit an.

Die Ausstellung ihrer Fotos wurde im Oktober 2016 eröffnet und ist noch bis zum 25. Jänner 2017 in der Wienbibliothek im Rathaus zu sehen. Im Rahmen der Finissage und eines Geburtstagsfestes am 25. Jänner wird Hilde Schmölzer gemeinsam mit der Schauspielerin Ruth Rieser auch aus ihrer Autobiografie vorlesen.

Die feministische Sachbuchautorin Hilde Schmölzer ist mit ihren Bestsellerbüchern "Phänomen Hexe" und "Die verlorene Geschichte der Frau" bekannt geworden. Seit den neunziger Jahren arbeitet sie ausschließlich als Autorin mit dem Schwerpunkt Frauengeschichte und Frauenbiografien.

Sie war auch eine der Ersten, die sich in den siebziger Jahren für Frauenthemen engagiert hat. Auf die Frage, ob sie sich als Pionierin der österreichischen Frauenbewegung sehe, hält sie sich bescheiden zurück und sagt, sie sei als Alleinerzieherin damals nicht in der Frauenbewegung mit den vielen ehrenamtlichen Aufgaben aktiv gewesen, aber als Pionierin der Frauengeschichte sehe sie sich schon. "Die Beschäftigung mit diesem Thema war für mich sehr befreiend und interessant", sagt sie.

Besonders beeindruckt hat sie das Leben von Olympe de Gouges, einer Frau der Französischen Revolution, und von Adelheid Popp aus der Wiener Arbeiterinnenbewegung. Aber auch alle anderen Lebensentwürfe von Frauen findet sie interessant, weil jede für sich individuell ist.

Frauenvolksbegehren

Als Mitinitiatorin des ersten österreichischen Frauenvolksbegehrens des Jahres 1997 bedaure sie jetzt, zwanzig Jahre später, dass immer noch keine der elf Forderungen umgesetzt wurde, obwohl damals rund 650.000 Personen dieses Volksbegehren unterschrieben hatten. Ein zweites Frauenvolksbegehren sei notwendig, aber sie setze sich auch für mehr Wut und für ein aggressiveres Vorgehen ein, damit sich etwas bewege und die Forderungen des Frauenvolksbegehrens endlich verwirklicht werden, sagt Hilde Schmölzer.

Viele bewegende, schöne Momente, aber auch dramatische Ereignisse haben das Leben von Hilde Schmölzer geprägt. "Ich möchte gerne noch einmal jung sein, damit ich die Begeisterung und Freude spüren kann, die im Alter weniger wird", sagt sie nachdenklich.

Derzeit befasst sie sich mit den Tagebüchern ihres Vaters. Vielleicht wird ihr nächstes Buch die Geschichte ihrer Eltern erzählen, aber Genaueres darüber möchte sie noch nicht sagen. Auf jeden Fall sind ihr jetzt alles Gute zu ihrem achtzigsten Geburtstag und noch viele gesunde Jahre zu wünschen.