Es ist ein fiktiver Roman, den Dagmar Fohl geschrieben hat, aber es sind etliche reale Lebensgeschichten darin eingeflossen. Und so ist "Alma" nicht nur beeindruckend bedrückend, sondern in gewisser Weise auch authentisch. Fohl schildert in dem Roman um ein junges jüdisches Paar, das im Holocaust seine neugeborene Tochter bei Freunden lassen muss, um aus Deutschland fliehen zu können (was allerdings letztlich nicht gelingt), und sie danach verzweifelt sucht, nicht nur das Leben im, sondern vor allem jenes nach dem KZ: Wie geht man mit der erlebten Unmenschlichkeit um? Ist es überhaupt möglich, danach noch normal zu leben?

Es ist ein sehr starkes, sehr hartes, sehr aufwühlendes Buch, das zwar gar nicht den Anspruch erhebt, dem Grauen des Holocaust gerecht zu werden, aber zumindest ein Stückchen davon spürbar macht - vor allem die verzweifelte Ausweglosigkeit, wenn zum Beispiel die Juden zuerst nicht das Land verlassen wollen, im Vertrauen darauf, dass die "arischen" Deutschen schon irgendwann zur Vernunft kommen und Hitler fortjagen werden - bis es zu spät ist und die Flucht in die USA kurz vor dem Ziel endet und das Schiff, die Küste schon in Sicht, wieder umdreht und nach Europa zurückkehrt, weil sich die Amerikaner querstellen. Szenen wie diese führen die ganze Geschichte dann ins Heute und geben dem Leser einen neuen Blick auf die europäische Asylpolitik des Jahres 2017. Denn Fohls Buch ist nicht bloß ein zeitgeschichtlicher Roman, sondern auch ein klares politisches Statement.

Dagmar Fohl: Alma
Gmeiner; 217 Seiten; 18,50 Euro