Er stammte aus der Buckligen Welt und war begeisterter Radfahrer, aber Buckeln nach oben oder Treten nach unten konnte man ihm nicht vorwerfen. Florian Kuntner hat als Weihbischof der Erzdiözese Wien stets Courage und Dialogfähigkeit vereint. Er suchte Papst Johannes Paul II. in Rom auf und konfrontierte ihn mit seinem Unbehagen über Bischofsernennungen, die damals Österreichs Katholiken irritierten. Als Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich sowie als Vorsitzender von "Iustitia et Pax" und "Pax Christi Österreich" war er die Stimme der Stimmlosen, Anwalt echter Entwicklungshilfe und voll Engagement gegen jede Art von Menschenrechtsverletzungen.

Die Kirchenjournalistin Ingeborg Schödl hat ihm nun in einer längst fälligen Biografie ein Denkmal gesetzt. Kuntner, 1933 als achtes Kind einer Bauernfamilie in Kirchberg am Wechsel geboren, war schon als Kind aufmüpfig. Als er 1977 Weihbischof wurde, hatte er sich in der Seelsorge als Pfarrer in Piesting und später in Wiener Neustadt sowie als Bischofsvikar für das Vikariat "Unter dem Wienerwald" bewährt. Die "Sorge um die Gemeinden", so sein bischöflicher Wahlspruch, die Solidarität mit den Schwachen in der Welt, eine zutiefst ökosoziale Einstellung, und all das auf der Basis eines tiefen christlichen Glaubens, waren seine Markenzeichen.

Zu früh ist er am 30. März 1994, mutmaßlich an den Folgen einer übergangenen Tropenkrankheit, in Wien gestorben. Die ihn kannten, haben ihn nie vergessen, Schödls solide Biografie ruft ihn nun auch allen anderen in Erinnerung.

SACHBUCH

Florian Kuntner - Vom Lausbuben zum Bischof Ingeborg Schödl, Tyrolia Verlag 144 Seiten, 19,95 Euro