Die vierjährige Tochter der Lehrerin Moriguchi wurde im Schwimmbecken der Schule tot aufgefunden. Todesursache: Ertrinken. Moriguchi geht davon aus, dass zwei ihrer Schüler ihre Tochter getötet haben. Da die 13-Jährigen laut japanischem Jugendstrafrecht straffrei davonkommen würden, entwirft die Lehrerin ihren eigenen Racheplan, den sie ihrer Klasse, den beiden mutmaßlichen Mördern eingeschlossen, mitteilt. Nachdem sie den Schuldienst quittiert, entfaltet der Plan seine Wirkung und zieht weitere Tote nach sich.

"Geständnisse", das Debüt der Japanerin Kanae Minato, ist ein verstörender Psychothriller und schonungsloser Gesellschaftsroman. In sechs Kapiteln schildern Lehrer, Schüler und deren Angehörige im Rückblick die Ereignisse. Jeweils zu Beginn benötigt man als Leser etwas Zeit, um herauszufinden, wer gerade spricht. Doch der Sog entfaltet sich schnell, ein überraschendes Geständnis und unvermutetes Motiv folgt dem nächsten.

Minato erzählt von falsch verstandenem Leistungswillen, von einem Bildungssystem, das unbedingte Exzellenz fördert und die moralische Erziehung vernachlässigt; von Überforderung der Mütter und Abwesenheit der Väter; von fehlenden Idealen und hilflosen Lehrern; von Einsamkeit, Geheimnissen, Verrohung der Jugendlichen sowie von deren brutalen Befreiungsakten. Dies alles in einem subtilen Ton, der das Böse nur umso deutlicher vor der gutbürgerlichen Kulisse hervortreten lässt. Täter sind zugleich Opfer - und Opfer Täter. Die Autorin leiht uns ihren vernichtenden Blick auf die stolze japanische Gesellschaft, in der Tragödien wie etwa der Tod der kleinen Manami und der tödliche Wahnsinn von Jugendlichen, die ursprünglich nur Anerkennung gesucht hatten, mehr oder weniger stillschweigend in Kauf genommen werden.