Schriftstellerpaar

Es waren viele Stränge zu vereinen in den letzten Jahren: Brotarbeit, Mutterschaft, künstlerische Neuausrichtung. Als Lebensgefährtin von Johannes Gelich ist sie Teil eines Schriftstellerpaares - was wirtschaftliche Unsicherheit mit sich bringt, aber auch Flexibilität und die Solidarität von zweien, die im selben Boot sitzen. Der nächste Roman hat sich nun langsam, aber doch im Kopf gefestigt. Und die Gemeinschaftsarbeit mit ihrem Sohn an drei Kinderbüchern ist bereits weit gediehen.

"Ich wusste immer, dass ich Schriftstellerin werden und Kinder haben will", sagt Kirstin Breitenfellner. Zweiteres hat sie relativ spät in die Tat umgesetzt. Sie ist 50, verheiratet, Tochter und Sohn sind zehn und acht Jahre alt. Als sie auf die Welt kamen, waren bereits zwei Romane und ein Gedichtband erschienen.

"Dass Schreiben und Kinder nicht vereinbar sein sollten, wurde mir vorher eigentlich nur von Männern entgegengehalten", sagt Breitenfellner. "Solchen, die selbst Schriftsteller waren und mir gleich eine Menge kinderlose Literatinnen zum Beweis aufgezählt haben." Sie lacht. Geändert habe das für sie nichts. "Vielleicht weil ich auch neben voller Berufstätigkeit immer viel geschrieben habe." Klar habe sie sich gedacht, dass es nicht leicht werden würde. Ist es auch nicht. "Aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich ein Leben haben muss, um etwas Relevantes schreiben zu können."

Nur übers Schreiben zu schreiben finde sie langweilig. "Die unterschiedlichen Perspektiven innerhalb einer Familie sind eine ganz unmittelbare Erfahrung, die schon so etwas wie Lebenserkenntnis bringt." Genau das sei ja das Interessante an der Literatur, die Gleichzeitigkeiten und Widersprüche, alles, was nicht glatt aufgehe, weil auch unterschiedliche Blickwinkel gültig sein können.

Während des Gesprächs steht ein gepackter Koffer neben ihr. Gleich geht es wieder auf Lesereise. Mit dem neuen Kinderbuch "Lila und Lisa dürfen bleiben" tourt sie durch Österreich. Was auch heißt: Das Essen ist vorgekocht, der Kühlschrank voll und die Großeltern der Kinder werden gleich eintreffen. Die Logistik bleibt ein großer Brocken. Ein beruflich eingespannter Ehemann ist zeitlich eben nicht so flexibel.

Vor dem Kindergartenalter der Kinder habe sie einige Jahre wenig schreiben können. "Es ist schon eine kleine Ewigkeit, bis dann wieder etwas erscheint." Breitenfellner ist jedoch eine Vielschreiberin, hat auch Kinderbücher verfasst, 2012 erschien der Roman "Die Überwindung des Möglichen", 2013 das Sachbuch "Wir Opfer" und gerade der Gedichtband "reger reigen". Den neuen Roman bringt der Picus Verlag Ende August heraus: In "Bevor die Welt unterging" hat Breitenfellner die Endzeitstimmung Jugendlicher in den 80er Jahren eingefangen. Sie arbeitet als Sachbuchredakteurin für den "Falter" und tritt gelegentlich als Literaturkritikerin in der Österreich1-Sendung "Literarische Soiree" auf.

"Man braucht schon Eigeninitiative, sonst wird man leicht vergessen", resümiert sie. Gut finde sie, dass Kinder nun langsam in die Literatur einziehen dürfen: "Ein junges Phänomen." Dabei gebe es genug, über das noch nie geschrieben worden sei. "Der ganz normale Alltag ist ein fruchtbares Feld."

Drei Kleinkinder

Spätestens seit im Februar Zsuzsa Bánks Roman "Schlafen werden wir später" herauskam, müsste klar sein, dass selbst Windeln literaturfähig sind. So poetisch und nuancenreich ist die Sprache, in der die Deutsche-Bücherpreis-Trägerin (2003) auch banalste Alltagsdinge alles andere als banal beschreibt.

Durchzogen von Anspielungen, Zitaten und Querverweisen, eröffnet sich im Laufe dieses Briefromans in E-Mail-Form das Leben zweier Freundinnen. Samt all der großen Fragen, die sich ihnen in der Lebensmitte auftun. Eine kinderlos, vom Mann verlassen, nach einer Krebserkrankung. Die andere, und das ist interessant für unser Thema, ist Dichterin und Mutter. Über einen beträchtlichen Teil der 688 Seiten hadert sie mit dieser Situation.

Wie soll sie neben drei Kleinkindern arbeiten? Wie neben einem Mann bestehen, der als Dramaturg ebenso voller Schaffensdrang ist, den aber besser durchsetzen kann? Und wo das Geld hernehmen in dieser Künstlerehe? "Das Klappmesser Leben und Schreiben fällt klingenscharf auseinander, der Abstand zwischen beiden wird ozeanisch", klagt sie etwa. Oder: "Ich blicke auf die letzten Monate, sehe wenig Schlaf und viel, möglicherweise zu viel Kind, ich habe geschrieben, wann immer es ging, aber wie viel, wie wenig war es?"

Dass ein solcher Konflikt Eingang in den Literaturkanon fand, ist gewiss ein Fortschritt. Bánk ist mit den Romanen "Der Schwimmer" (2002) und "Die hellen Tage" (2011) bekannt geworden. Es ist anzunehmen, dass der 51-Jährigen die Gefühle ihrer neuesten Romanfigur nicht fremd sind. Sie hat selbst zwei Kinder von zwölf und 13 Jahren. Wie schafft sie es, erfolgreich Romane zu schreiben?

Sobald die Kinder außer Haus seien, schreibe sie, sagte sie in einem Radiointerview auf WDR 3. Täglich. Ab acht. Inspiration sei kein Problem. "Es ist ein innerer Drang, der immer da ist. Für mich ist es eher schlimm, nicht zu arbeiten."