Wie gut, dass es im Literaturgeschehen keine Doping-Kontrollen gibt! Würde man nämlich die Weltliteratur auf Werke reduzieren, die von "cleanen" Schreibkräften verfasst worden sind, bliebe wenig Interessantes übrig.

Im Wiener Literaturmuseum ist zurzeit die Ausstellung "Im Rausch des Schreibens" zu sehen, und bei Zsolnay ist dazu ein anregender Begleitband erschienen. In reich illustrierten Essays werden hier die Rauschmittel der Dichter präsentiert: Alkohol, Nikotin, Koffein, aber auch weniger legale Substanzen. Der Band ist jedoch kein Sündenregister, in dem die kleinen Laster großer Literaten aufgelistet werden. Hier geht es letzen Endes nicht um Drogenkonsum, sondern um dichterische Ausnahmezustände.

Dieser genuin literarische "Rausch des Schreibens" muss nicht unbedingt mit chemischer Unterstützung herbeigeführt werden. Der Band gibt Beispiele für asketische Exerzitien wie das Hungern, aber auch für exzessive Übungen wie das Fressen. Das Hauptrauschmittel ist aber das Schreiben selbst, das wie eine Droge wirken kann, wenn man sich ihm leidenschaftlich genug überlässt. Und während die anderen Berauschungsmittel uns allen zur Verfügung stehen, gehört das Schreib- und Wort-Delirium den Literaten allein.