Eine Insel ist ein Insel ist eine Insel: Das gilt auch für das kroatische Rab während der Tito-Zeit. Der Zagreber Schriftsteller Zoran Ferić hat dort in Kindestagen viele Sommer verbracht. Rab ist auch der Schauplatz seines neuen Romans, dessen Titel einen melancholischen Ton anschlägt: "In der Einsamkeit nahe dem Meer". Darin lässt der Autor die "Welt der Möwen" aus den 1970er und 80er Jahren wieder aufleben: Seine Protagonisten Luka, Gavran, Skembo und andere mehr üben sich in der Verführung westlicher Touristinnen. Eine Trophäenjagd, deren Freizügigkeit so mancher mit Freiheit verwechselt - und oft mehr als seine "Unschuld" verliert.

In kontrastreichen Stillagen schildert der Autor die Facetten der hormongesteuerten hitzigen Affären. Die ritualisierten Spiele hinterlassen Schrammen, Brandmale einer kurzen Glut. Geht die Saison zur Neige, kehrt die Aufreißer-Clique wieder in ihr profanes Leben zurück; es wird Bilanz gezogen und "das Wettrennen um Abenteuer von Nostalgie abgelöst. Noch ein Sommer geht dorthin, wohin Sommer nun einmal gehen: in die persönliche Mythologie". Und jenseits dieser geht das Leben freilich seinen unerbittlichen Gang. Ferić’ Clique welkt dahin; was bleibt, ist die Erinnerung.