Was macht einen guten Menschen aus? Kann man das überhaupt sein und das Richtige tun? Und was ist das denn überhaupt? Schwere Fragen wälzt Jürgen Bauer in seinem Endzeit-Roman "Ein guter Mensch", in dem Europa (die Handlung spielt mutmaßlich in Österreich) seit Jahren von einer Hitzewelle heimgesucht wird und "Die Durstigen" im Süden, aber auch in Auffanglagern vor Ort von der Regierung mit Hilfslieferungen versorgt werden - ohne Dankbarkeit zu zeigen. Im Gegenteil, Konflikte ums Wasser und um das Leben überhaupt sind an der Tagesordnung, wer kann, flieht in weniger ausgedörrte Regionen. Und mittendrin der Tankwagenfahrer Marko, der sich einerseits um seinen alkoholkranken Bruder und andererseits um seinen Freund Berger kümmert, dem er nach einem Psychiatrie-Aufenthalt einen Job als sein Beifahrer verschafft hat. Beides sind keine Herkules-, sondern Sysiphos-Aufgaben, zumal an Markos mentaler Gesundheit neben den Auswirkungen der Hitze auch noch der Verlust der ausgewanderten Ehefrau nagt. Rundherum geht derweil die Welt fröhlich zugrunde, sprich: Eine Gruppierung namens "Dritte Welle" feiert die Wasserverschwendung und sorgt für eine weitere Eskalation der Lage.

Wie ein heißer Sauna-Aufguss schlägt Bauers Kilmakatastrophen-Roman auf das Gemüt seiner Leser, und dass er ausgerechnet in diesem Sommer erscheint, macht es noch schlimmer - ist das darin beschriebene Szenario zwar sicher noch fern, aber leider auch nicht undenkbar. Wer sich aber mental gefestigt genug fühlt für diese Geschichte, deren Brutalität im Kleinen liegt, in der Hoffnungslosigkeit so gut wie aller an der Handlung Beteiligter, an der Aussichtlosigkeit der Lage, in der sie sich allesamt befinden. Sollte der Roman je verfilmt werden, wäre wohl Josef Hader die Idealbesetzung des derangierten Tankwagenfahrers Marko - schwarz genug wäre sein Ansatz jedenfalls für diese Hitze-Studie.

Jürgen Bauer: Ein guter Mensch
Septime Verlag; 224 Seiten; 22 Euro