Stell dir vor, du sitzt gerade bei einer Klassenarbeit, als plötzlich ein maskierter Amokläufer den Raum stürmt. Oder eigentlich stürmt er ihn gar nicht, sondern wird von den verängstigten Schülern hereingelassen, nachdem er eine verängstigte Zehnjährige vorgeschickt hat. Was geht in den Köpfen der Schüler vor (vor allem von jenem, der gegen sein Bauchgefühl die Tür geöffnet hat)? Wie reagiert die Klasse? Wie gehen die verschiedenen Persönlichkeiten mit der Ausnahmesituation um? Welche Rolle spielen dabei die Beziehungen der einzelnen Schüler untereinander.

Lea-Lina Oppermann, Jahrgang 1998 und damit noch recht nah am Schulalltag dran, beschreibt in ihrem Debüt – das bereits mit dem Hans-im-Glück-Preis für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde – genau so eine Situation und schafft ein beklemmendes und zugleich nervenaufreibendes Kammerspiel, in dem die verschiedenen Schüler ihre Gefühlslage schildern. Und Oppermann schafft die Kunst, zwar einerseits nichts zu beschönigen und die ganze Brutalität eines Amoklaufs zu erzählen, sich dabei aber andererseits nicht in blutigen Einzelheiten zu verzetteln und am Unglück zu weiden. Ihr Buch sollte eigentlich im Sinne der Prävention eine Pflichtlektüre an Schulen werden.

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten
Beltz & Gelberg; 178 Seiten; 13,40 Euro
Hörbuch: 15,99 Euro