Der Geschichts-Professor Jeremy O’Keefe kehrt nach zehn Jahren Lehrtätigkeit in Oxford an die New York University zurück. Nach dem 11. September 2001 und dem Scheitern seiner Ehe war er in die vermeintliche englische Idylle geflohen; diese entpuppte sich jedoch als lauter, schriller und bedrohlicher, als ihm New York jemals erschienen war.



Zurück in seiner Heimatstadt, fühlt O’Keefe sich ähnlich depla-tziert, häufig wird er für einen Engländer gehalten. Seine Gedanken pendeln zwischen seinem Lebensgefühl in Oxford, seinen Kollegen und Affären, dem Trauma der Scheidung und der Sehnsucht nach seiner Tochter einerseits und dem Gefühl der fremden Vertrautheit und Isolation in New York. Den Kontakt zu ehemaligen Freunden und Kollegen hat er einschlafen lassen, jetzt bleibt ihm nur seine Tochter, die sich jedoch in ganz anderen Sphären bewegt; sie und ihr Ehemann verkehren mit der Machtelite der Stadt, für die der unglamouröse, kontaktscheue Jeremy quasi Luft ist.

Der gebürtige Kalifornier Patrick Flanery, der schon lange in Großbritannien lebt, beginnt seinen Roman "Ich bin niemand" als überzeugenden Gesellschaftsroman mit komischen Momenten. Dann führt er den Plot eines Thrillers ein, schweift jedoch immer wieder zu gesellschaftlichen, moralischen, historischen Aspekten ab, die an sich interessant sind, den Fortgang der Geschichte jedoch hemmen. Ab und zu legt der Autor seinem Protagonisten sogar eigene Reflexionen beim Aufschreiben dieser Geschichte in den Mund.

Jeremy hat die Überwachungsmethoden der Stasi erforscht, nun fühlt er sich selbst ausspioniert. Er bekommt Pakete mit seinem ausgedruckten E-Mail-Verkehr und seinen Telefonverbindungen zugeschickt und fühlt sich zudem von einem jungen Mann beobachtet, der sich in sein Leben zu schleichen scheint. Hat er ihm die Pakete zugeschickt? Und wer hat sich in Jeremys E-Mail-Konto eingeloggt? Sind die Geheimdienste hinter ihm her? Und was wollen sie von ihm, wo er doch ein Niemand ist.

Flanery erzählt weite Teile seines Romans als langatmigen inneren Monolog. Dabei behandelt er Themen, die aktueller nicht sein könnten: Heimatlosigkeit, Einsamkeit, Familie, Terrorismus, globalisiertes Arbeitsleben und Datenschutz.

Als vermeintliches oder tatsächliches Opfer in einem Überwachungsstaat überzeugt Jeremy; als Protagonist eines Thrillers, der den Leser mitreißen soll, bleibt er jedoch zu eindimensional und emotionslos - und der Leser innerlich unbeteiligt.