In gewisser Weise ist es eine Flucht vor dem eigenen Leben, die den mitteljungen, verlobten englischen Ingenieur Nick als Entwicklungshelfer nach Afrika treibt, in irgendein Land zu irgendeiner Zeit in der jüngeren Vergangenheit (mutmaßlich während Margaret Thatchers Regierungszeit). So genau legt sich die Autorin Claire Hajaj nicht fest. Das muss sie aber auch nicht, weil ihre Geschichte so gut wie überall in Afrika spielen könnte. Eine Geschichte, in der ein Europäer in engen Kontakt mit der örtlichen (mehrheitlich islamischen) Bevölkerung und deren Gepflogenheiten in einem abgelegenen Dorf kommt und, während er eigentlich dem Gouverneur einen neuen Vorzeige-Krankenhaus-Flügel bauen soll, gleichzeitig heimlich mit abgezweigten Geldern einen Brunnen graben lässt, um die Dorfbewohner ein Stück unabhängiger von den teuren Wasserlieferungen zu machen. Und in der er sich unweigerlich in die Frau seines Gastgebers verliebt und gleichzeitig die Freundschaft ihres Sohnes gewinnt.

Dass das alles nicht gut ausgehen kann, ist dem Leser von Anfang an klar, insofern ist für Hajaj der Weg das Ziel. Und der ist so steinig und staubig wie Afrikas Schotterpisten. Bei aller Langatmigkeit der Erzählung schafft sie es aber doch, einen sehr starken Eindruck zu hinterlassen. Vor allem, weil sie das, was der gelernte Europäer als afrikanische Misswirtschaft und Korruption bezeichnen würde, zwar nicht verteidigt, aber zumindest ein Stück weit anschaulich macht. Abgesehen davon ist es eine sehr realitätsnahe wildromantische Geschichte um Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Betrug.

Claire Hajaj: Der Wasserdieb
Blanvalet; 512 Seiten; 20,60 Euro